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Dampfradioforum • Thema anzeigen - Reparaturbericht Siemens Taschenradio RT10

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BeitragVerfasst: Fr Mär 14, 2014 19:28 
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Gestern und heute hatte ich ein frühes Transistorradio auf dem Tisch: ein Siemens RT10.
http://www.radiomuseum.org/r/siemens_ta ... _rt10.html
Dateianhang:
Siemens_RT10_.JPG
Siemens_RT10_.JPG [ 40.87 KiB | 1322-mal betrachtet ]

Das Bild täuscht bezüglich der wahren Größe dieses Gerätes: Mit nur 15 x 9 x 5 cm ist es sicher eines der kleinsten Radios mit UKW, die damals auf dem Markt waren.

Erster Eindruck: Gerät scheint komplett und unverbastelt. Gehäuse ist leicht vergilbt, aber ohne äußere Beschädigungen.

Erster Funktionstest: keine Funktion. Kein Wunder, die Zuleitungen zum Batterieclip waren so dilletantisch zusammengeflickt, dass eine Kontaktgabe eher unwahrscheinlich war.

Nachdem ich das in Ordnung gebracht hatte, kamen die ersten Töne, aber mit massiven Aussetzern am Wellenbereichsschalter und Lautstärkeregler. Die starke Grünspanbildung zeigte, dass diese offensichtlich mit Kontaktspray oder ähnlichem eingesprüht worden waren, ohne dieses hinterher auszuwaschen. Zum Glück sind noch keine Leiterbahnen und ähnliche Teile zerfressen. Das Zerlegen und die händische Reinigung dauerten einige Zeit, aber nun ist auf lange Zeit eine fehlerfreie Funktion zu erwarten. Zwei Dinge musste ich noch nachbessern: einen Elko erneuern, dessen Leckstrom Kratzgeräusche des Lautstärkereglers verursachte, und den Ein/Aus-Schalter am Lautstärkeregler reparieren. Dieser ist von der japanischen Bauart, die man in vielen kleineren Radios bis mindestens Ende der 70er Jahre findet: ein auf der Achse angeordnetes Pertinaxplättchen betätigt den Ausschalter. Dieses Plättchen war so ausgeleiert, dass es nicht richtig einrastete. Das Radio hätte sich so bei jeder größeren Erschütterung eingeschaltet.

Nun funktionierte das Radio elektrisch, aber die Senderwahl hakte an einer Stelle. Nachdem ich die zentrale Schraube des Seilrades leicht gelöst hatte, hakte es nicht mehr. Das deutet normalerweise auf ein Hindernis unter dem Seilrad hin, es war aber keins zu entdecken. Mit einer sehr dünnen Unterlegscheibe unter dem Seilrad funktioniert die Senderwahl einwandfrei.

Da auf UKW die Sender stark verschoben waren und die Empfindlichkeit auf den AM-Bereichen zu wünschen übrig ließ, begann ich mit einem Abgleich, der auch erste Erfolge zeigte. Netterweise befindet sich, ungewöhnlich für ein so kleines Gerät, unter dem Batteriefach ein Schaltplan mit Abgleichanleitung. Aber plötzlich fiel der Empfang völlig aus.

Da der Schaltplan vorhanden ist und an jedem Anschluss jedes Transistors Spannungsangaben enthält, dauerte es nicht lange herauszufinden, dass an einem ZF-Transistor die Emitterspannung fehlte. Der ausgelötete Transistor war aber in Ordnung, ebenso wie die einzigen Bauteile, die diesen Fehler verursachen könnten, ein Kondensator und ein Widerstand. Nach dem Wiedereinlöten aller Bauteile (das dauerte einige Zeit, denn in diesem Bereich ist es so eng, dass man die Anschlussdrähte bestenfalls mit einer dünnen Pinzette in die Bohrungen der Platine bugsiert bekommt) spielte das Radio auch wieder einige Zeit, um dann erneut auszufallen.

Messungen im eingelöteten Zustand ergaben einen Schluss des Transistors (OC170) zwischen Emitter und Metallgehäuse. Diese Transistoren neigen zur Whiskerbildung zwischen Innenleben und Gehäuse, das hatte ich neulich schon einmal bei einem Transistor gleicher Gehäuseform in einem Autoradio. Mit einem AF126 als Ersatz funktioniert das Radio dauerhaft, und ich konnte den Abgleich beenden.

Kleine Anmerkung: Die Schaltung des Radios hat durchgängig Minus an Masse. Das war zur Zeit der pnp-Germaniumtransistoren meist nicht der Fall.

Nun noch die beiden UKW-Antennen wieder anschließen. Auch dies eine Besonderheit: Das Radio hat zwei UKW-Antennen. Einmal enthält der Trageriemen eine Antenne. Weil dieser aber abnehmbar ist, enthält die Rückwand zusätzlich eine Rahmenantenne für UKW. Mit dem Trageriemen ist der Empfang recht ordentlich, mit der Rahmenantenne naja, es ist eher eine Behelfsantenne. Auf Mittelwelle ist die Empfindlichkeit gut, auf Langwelle eher mäßig, wohl durch den recht kurzen Ferritstab.

Die Stromaufnahme (bei heruntergedrehter Lautstärke): bei UKW 6,5 mA, auf den AM-Bereichen 4,2 mA. Die Versorgung erfolgt durch eine 9V-Batterie. Mit den damals üblichen Zink-Kohle-Batterien lief das Radio also 30 bis 50 Stunden.

Lutz


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BeitragVerfasst: Fr Mär 14, 2014 22:16 
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Kenntnisstand: **Zutreffendes Feld fehlt**
Hallo Lutz,

vielen Dank für den ausführlichen Reparaturbericht. Tja - auch die kleinen frühen "Transenkistchen" können richtig Freude machen. Erstaunlich, was die Entwickler auf engstem Raum da alles so untergebracht haben. Leider kann das bei Reparaturarbeiten schon einmal hinderlich sein. Zum Vergleich: In einem Blaupunkt Derby ist noch soviel Platz übrig, dass man ihn auch bequem mit Röhren hätte aufbauen können :mrgreen: Was mich ebenfalls immer wieder erstaunt, ist die Empfangsempfindlichkeit, mit der sie auch im Kontest mit hochwertigen Röhrenempfängern eine sehr gute Figur machen.

Bei mir liegen auch noch ein paar Ge-Tr.-Kofferradios in der Warteschleife. Mal schauen, wann ich für sie Zeit finde...


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BeitragVerfasst: Sa Mär 15, 2014 11:49 
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Klasse, wie du an diese Sachen rangehst, Lutz! Deine Berichte sind immer sehr lehrreich!

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Gruß,
Jupp
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Der Sammler "an sich" wird einfach nie ethisch oder moralisch sein. Liegt in der Sache der Natur... Sonst wären wir ja keine "Sammler & Jäger", sondern biedere Heimchen (Marek)


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