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Dampfradioforum • Thema anzeigen - Studer Revox B780 - HiFi-Receiver aus den 80ern

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BeitragVerfasst: Fr Feb 08, 2019 21:42 
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Kenntnisstand: Elektrotechnischer Beruf/ Studium
Hallo liebe Radiofreunde :D

Ich habe einen Neuzugang zu vermelden, einen Studer Revox B780. Leider in einem sehr schlechten Zustand, alles voll mit ekelig gelben Nikotingrit, total eingestaubt und das Teilchen hat wie ein abgestandener Aschenbecher gestunken. Erste Diagnose: Netzschalter schaltet nicht, Gerät steht auf Dauer-Ein und Display zeigt nur wirre Zeichen, aber ansonsten kein Ton. Da ich das Gerät geschenkt bekam, wollte ich aber natürlich nicht meckern :mrgreen:

Also erst einmal alles demontierbare an Gehäuseteilen demontiert und gereinigt: Seitenteile, Abdeckungen, Knöpfe, Tasten, Frontblende... Gehäuseinneres und Kühlkörperrippen von Staub und (gelben) Natomäusen befreit und soweit möglich auf geputzt. Sieht schon wieder christlicher aus jetzt :D

Erster Fehler: Display wirre Zeichen, ansonsten keine Funktion. Eine schnelle Recherche ergab: Elkos und Tantals auf dem Prozessorprint erneuern. Nicht messen, erneuern! :D Et voila, funktioniert. Allerdings merkte sich das Gerät die Eingaben nicht bzw gespeicherte Sender wurden gleich wieder vergessen, sobald man das Gerät vom Netz trennte (der Netzschalter hing zu diesem Zeitpunkt noch auf Dauer-Ein fest). Hinter der abklappbaren Abdeckung oben befindet sich ein Fach, in das man drei Akkus einlegen muss. Ganz wichtig: AKKUS! Denn wenn das Gerät läuft, werden die Akkus aufgeladen, und bei Batterien ist das sone Sache, wenn man eine Aufladung versucht... :mrgreen:
Und schon merkt sich das Trümmerchen, was man ihm so programmiert.

Aber nun tat sich der nächste Fehler auf: der rechte Kanal ist bei voller Lautstärke nur ganz leise hörbar, der linke zwar schon relativ normal, fängt aber bei Erwärmung auch an, rumzukratzen, auszusetzen usw. Zum Glück gibt es das Servicemanual im Netz herunterzuladen. Nach kurzer Suche fiel mir auf dem Inputselectorboard auf, dass vor mir schon jemand an dem Gerät herumgefummelt haben muss, die vier IC TDA1029 bzw TDA1028 saßen mit teilweise abgebogenen Beinchen in ihren Sockeln. Zum Glück konnte ich das richten und die IC ohne die Beinchen abzubrechen wieder in die Sockel setzen. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Sockel es "hinter sich" hatten, das Plastik wölbte sich heraus, bzw die Kontakte waren derart oxidiert bzw weg-"nikotinisiert", dass die ICs nicht richtig funktionieren wollten, wenn man drauf drückte, blieb der Ton auch im warmen Zustand des Gerätes zumindest im linken Kanal, sobald man losliess, ging wieder das Gekratze los. Also habe ich die Sockel erneuert. Danach funktionierte der linke Kanal zumindest wieder einigermaßen, aber der rechte blieb weiterhin stumm.

Mit einem Signalverfolger konnte ich das Signal allerdings zweikanalig durch das Inputselektorboard verfolgen, sodass hier kein Fehler mehr vorlag. Allerdings kam es an der Endstufe nicht an. Die Endstufe kann man, wenn man keinen Signalverfolger zur Hand hat, recht einfach testen, wenn der Ton nur einkanalig kommt, man schraubt den kompletten Kühlkörper ab, dann lässt sich dieser mitsamt den Endstufenplatinen kinderleicht abnehmen. Die Kabel für die Spannungsversorgungen lässt man dran, die Signaleingänge links und rechts dahingegen abziehen. Nun dreht man den gesamten Kühlkörper um 180 Grad und steckt die Signaleingänge wieder auf, da man aber den Kühlkörper um 180 Grad gedreht hat, legt man das Signal damit nun auf die jeweils andere Seite. Wenn nun die vorher stumme Seite plötzlich ein Signal herausgibt, ist die Endstufe intakt. Das war hier bei meinem Trümmerchen auch der Fall.

Es fiel auf, dass die linke Seite ab und zu mal funktionierte, wenn man auf das Gerät klopft oder es verwindet. Konnte also nur eine "kalte Lötstelle" sein, so dachte ich, muss ja zu finden sein. Allerdings Fehlanzeige, nichts dergleichen zu finden, alles tiptop. Die Steckverbindungen waren auch intakt und ohne Tadel. Warum also und wo blieb der linke Kanal stecken? Es ist die Buchse "Pre Out/PWR In". Hier kann man noch z.B. einen Soundprozessor anschließen oder einen Equalizer. Ohne Anschluss ist diese Buchse intern gebrückt, sobald man einen Stecker anschliesst, wird diese Brücke mechanisch weggeschaltet und das Signal an den Pins 1 und 4 herausgeführt und wird an den Pins 3 und 5 wieder erwartet. Das Problem war nun diese buchseninterne, mechanisch geschaltete Brücke. Wenn ich mit einem DIN-Stecker die Buchse ein wenig malträtierte habe, indem ich den Stecker schnell hintereinander gesteckt und wieder abgezogen habe, hatte ich plötzlich volles Signal auf beiden Kanälen. Aber nur kurze Zeit, dann kam der Fehler wieder. Die Kontakte scheinen also auch schon recht oxidiert bzw verqualmt zu sein. Kurzerhand habe ich mir aus einem DIN-Stecker einen "Kurzschlussstecker" gebaut, indem ich die Pins 1 und 3 sowie 4 und 5 mit jeweils einem kleinen, dünnen Stück Kabel gebrückt habe und diesen Stecker permanent in dieser Buchse gesteckt lasse. Seitdem läuft das Trümmerchen einwandfrei :)

Es gibt Berichte, dass die Potis für den Ruhestrom der Endstufen besonders bei Erwärmung aussetzen und dafür sorgen, dass die Endstufen auch bei geringer Last sich stark erhitzen und dann gerne mal sterben. Diese Potis sollte man ersetzen und den Ruhestrom nach Servicemanual einstellen. Ansonsten sind die Endstufen sehr robust.

Nun war der Netzschalter dran: Nach dem Zerlegen fand ich zwei Mikroschalter vor, die über eine Plastik-Schaltmimik entweder ein- oder ausgeschaltet wurden. Mit dem Netzschalter wird eine kleine Plastikschaltzunge auf ein Plastikteil gedrückt, welches dann durch diese Zunge in entweder die ein- oder die andere Richtung gedrückt wird. Irgendwer muss mit aller Kraft den armen Netzschalter gequält haben, jedenfalls war besagte Plastikzunge leicht verbogen. Mit einer kleinen Spitzzange konnte ich die Zunge allerdings wieder richten, sodass der Netzschalter wieder wie gedacht schaltet. Mal sehen, wie lange das gut geht :D

Zu guter Letzt habe ich die defekte Skalenlampe noch durch eine helle, weisse LED ersetzt. Ein 560 Ohm-Widerstand vor der 3mm-LED in hellweiss leistet da gute Dienste.

Ja und nun steht der Revox bei mir im Wohnzimmer und die Nachbarn dürfen ab und an meine Musik oder mein Radioprogramm mithören :D Jedenfalls macht der B780 richtig Laune und sieht obendrein noch richtig schick aus :)

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Wer viel misst, misst meist Mist :D

Viele Grüße!
Ingo :)


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BeitragVerfasst: Fr Feb 08, 2019 22:25 
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Registriert: Mo Aug 27, 2012 13:47
Beiträge: 1064
Feines Gerät. Glückwunsch.

Ralf

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Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dreh ich am Oszillatorkreis.


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BeitragVerfasst: Sa Feb 09, 2019 6:27 
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Glückwunsch zu dem Hitec Gerät aus der Hand Schweizer Ingenieure. Revox und insbesondere Studer, die prof. line. die haben schon was für sich.

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M.f.G.
harry

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- Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.
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BeitragVerfasst: Sa Feb 09, 2019 21:24 
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so einen hab ich auch noch im Keller. Der zeigt auch nur Goulasch an, beim Einschalten. Wird vielleicht das nächste Projekt. Das Tape habe ich bereits dafür.

_________________
Gruß,
Daniel


Baden Baden, Beromünster, Paris, Rom…
...Eine ganze Welt ist auf der Skala des SABA-Empfängers vereint


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