Für einen Bekannten soll ich einen Marshall-Verstärker JVM410H reparieren. Das ist ein neueres Gerät mit Röhrenrendstufe (4 x EL34, 100W Sinus), ECC83 in den Vorstufen und allerlei Prozessorgedöns für Soundeffekte.
Zwei von den EL34, vermutlich noch die Originalbestückung, sind defekt. Nun suche ich nach Ersatz.
Als matched Quartett habe ich Angebote der Label JJ, RSD, Elektro-Harmonix, PSV und TAD gefunden. Die Röhren von JJ kosten am wenigsten (90 €), die Röhren von TAD am meisten (165€). Höherpreisige Angebote, bei denen mitunter nicht einmal die Marke angegeben ist, ignoriere ich.
Natürlich behauptet jeder der Anbieter, seine Röhren seien die besten und hätten herausragende Eigenschaften.
Welche der genannten Label sind empfehlenswert und welche nicht?
Lutz
Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
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Re: Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
Servus,
Ich repariere auch viele Gitarrenverzerrer hier, Als Röhren kann ich dir von allen nur RSD empfehlen. Langjährige Erfahrungswerte.
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Re: Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
Hallo Lutz,
die EL34 von Elektro-Harmonix ist eine sehr zuverlässige Lampe. Ich verwende die seit vielen Jahren und hatte damit so gut wie nie Probleme. Man kann diese Lampe sogar bei Amps die noch mit knapp 800V Ua arbeiten einsetzen.
Bei JJ ist es lustig. Die haben teils sehr gute, robuste Röhren, leider aber auch welche, bei denen man auf das Ableben warten kann. Die 6L6GC, die EL84 und die KT88 von denen sind z.B. prima, die ECC83 sogar hervorragend, dagegen ist deren EL34 schlicht Schrott.
TAD ist auch so eine Sache für sich. Du kannst Glück haben, aber auch auf die Nase fallen. Die mit TAD gelabelten Röhren sind in der Regel China-Lampen und mit Vorsicht zu genießen. Würde ich nicht unbedingt empfehlen. Außerdem ist diese Bude einfach zu teuer.
Viel zu teuer auch die PSV Lampen. Da ist was für die Hi-End Fraktion. Würde ich die Finger von lassen.
Und welche EL34 sich hinter RSD versteckt, weiß ich jetzt nicht, aber ich glaube BTB nimmt da Sovtek . Da müsste man mal den lieben Herrn Kaim (BTB) fragen. RSD ist ja inzwischen eine Marke von BTB.
Zum Schluss:
Was die Selektion der Lampen angeht, nun, wenn es machbar ist, versuche ich grundsätzlich die Verstärker so zu ändern, dass jede Röhre ihr eigenes Einstellpoti für die -Ug1 hat. Ist meistens machbar.
Ansonsten: Bei BTB sind die gematchen Röhren zumindest sehr ähnlich. Das ist nicht bei allen Anbietern so ...
Bei dem Marshall werden die EL34 aber ja nur mit ca. 430V Ua betrieben, also recht unkritisch. Achte beim Einstellen vom Ruhestrom darauf, dass der unter 30mA pro Röhre bleibt. Löte am besten bei den Endröhren je einen 10 Ohm Widerstand zwischen Kathode und Masse, dann hast Du hübsche Messpunkte.
Ach ja, oft ist der Einstellbereich für die -Ug1 etwas zu eng. Dann die Widerstände R38 und R50, je 36K, mit 47K Widerständen ersetzen. (Service-Info von Mrshall)
Achte auf die "Send-Buchse"!
Bei dem JVM 410 ist das ein bekannter Fehler. (Kontaktprobleme)
Gruß
Micha
die EL34 von Elektro-Harmonix ist eine sehr zuverlässige Lampe. Ich verwende die seit vielen Jahren und hatte damit so gut wie nie Probleme. Man kann diese Lampe sogar bei Amps die noch mit knapp 800V Ua arbeiten einsetzen.
Bei JJ ist es lustig. Die haben teils sehr gute, robuste Röhren, leider aber auch welche, bei denen man auf das Ableben warten kann. Die 6L6GC, die EL84 und die KT88 von denen sind z.B. prima, die ECC83 sogar hervorragend, dagegen ist deren EL34 schlicht Schrott.
TAD ist auch so eine Sache für sich. Du kannst Glück haben, aber auch auf die Nase fallen. Die mit TAD gelabelten Röhren sind in der Regel China-Lampen und mit Vorsicht zu genießen. Würde ich nicht unbedingt empfehlen. Außerdem ist diese Bude einfach zu teuer.
Viel zu teuer auch die PSV Lampen. Da ist was für die Hi-End Fraktion. Würde ich die Finger von lassen.
Und welche EL34 sich hinter RSD versteckt, weiß ich jetzt nicht, aber ich glaube BTB nimmt da Sovtek . Da müsste man mal den lieben Herrn Kaim (BTB) fragen. RSD ist ja inzwischen eine Marke von BTB.
Zum Schluss:
Was die Selektion der Lampen angeht, nun, wenn es machbar ist, versuche ich grundsätzlich die Verstärker so zu ändern, dass jede Röhre ihr eigenes Einstellpoti für die -Ug1 hat. Ist meistens machbar.
Ansonsten: Bei BTB sind die gematchen Röhren zumindest sehr ähnlich. Das ist nicht bei allen Anbietern so ...
Bei dem Marshall werden die EL34 aber ja nur mit ca. 430V Ua betrieben, also recht unkritisch. Achte beim Einstellen vom Ruhestrom darauf, dass der unter 30mA pro Röhre bleibt. Löte am besten bei den Endröhren je einen 10 Ohm Widerstand zwischen Kathode und Masse, dann hast Du hübsche Messpunkte.
Ach ja, oft ist der Einstellbereich für die -Ug1 etwas zu eng. Dann die Widerstände R38 und R50, je 36K, mit 47K Widerständen ersetzen. (Service-Info von Mrshall)
Achte auf die "Send-Buchse"!
Bei dem JVM 410 ist das ein bekannter Fehler. (Kontaktprobleme)
Gruß
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Last edited by Schirmgitter on Thu Mar 30, 2023 9:37, edited 1 time in total.
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Re: Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
Guten Morgen Ihr beiden,
danke für die Tipps. Dann werde ich dem Besitzer Röhren von RSD oder Elektro-Harmonix empfehlen, mal sehen, wie er sich entscheidet.
Ein Umbau auf getrennte UG1-Einstellung ist bei diesem Verstärker schwierig, denn die gesamte Schaltung befindet sich auf einer Platine. Erstens müsste man diese ausbauen, was allein aufgrund der vielen Anschlüsse aufwendig ist. Zweitens werde ich bei diesem relativ neuen und teuren Verstärker keine Leiterbahnen auftrennen und ähnliches, ohne dass eine zwingende Notwendigkeit dafür besteht.
Danke auch für den Tipp mit der Send-Buchse. Der Verstärker hat zwei davon. Ich hatte sämtliche Buchsen, Schalter und Potis auf Kontaktprobleme überprüft, was bei 29 Potis, 15 Buchsen und 12 Schaltern einige Zeit dauert. Aber auf die Buchsen werde ich noch einmal einen Blick werfen.
Lutz
danke für die Tipps. Dann werde ich dem Besitzer Röhren von RSD oder Elektro-Harmonix empfehlen, mal sehen, wie er sich entscheidet.
Ein Umbau auf getrennte UG1-Einstellung ist bei diesem Verstärker schwierig, denn die gesamte Schaltung befindet sich auf einer Platine. Erstens müsste man diese ausbauen, was allein aufgrund der vielen Anschlüsse aufwendig ist. Zweitens werde ich bei diesem relativ neuen und teuren Verstärker keine Leiterbahnen auftrennen und ähnliches, ohne dass eine zwingende Notwendigkeit dafür besteht.
Danke auch für den Tipp mit der Send-Buchse. Der Verstärker hat zwei davon. Ich hatte sämtliche Buchsen, Schalter und Potis auf Kontaktprobleme überprüft, was bei 29 Potis, 15 Buchsen und 12 Schaltern einige Zeit dauert. Aber auf die Buchsen werde ich noch einmal einen Blick werfen.
Lutz
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Re: Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
Hallo Lutz,
es handelt sich um die Buchse "Preamp Send".
Die "Fix Send" macht keine Probleme.
Zu den Lampen: nimm die EH, da bist Du auf der sicheren Seite, der Preisunterschied (bei BTB) ist ja minimal.
Micha
es handelt sich um die Buchse "Preamp Send".
Die "Fix Send" macht keine Probleme.
Zu den Lampen: nimm die EH, da bist Du auf der sicheren Seite, der Preisunterschied (bei BTB) ist ja minimal.
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Re: Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
So, die Röhren sind bestellt.
Der Besitzer des Verstärkers hat sich für Electro-Harmonix entschieden. Von dieser Marke hätte er schon einmal gehört. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er das vielleicht mit Electro-Voice verwechselt hat.
@Micha: Du scheinst die Serviceunterlagen für dieses Gerät zu besitzen. Wo wird der Ruhestrom gemessen? Die Trimmpotis zur Einstellung habe ich gefunden, es sind zwei (eines pro Röhrenpaar).
Lutz
Der Besitzer des Verstärkers hat sich für Electro-Harmonix entschieden. Von dieser Marke hätte er schon einmal gehört. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er das vielleicht mit Electro-Voice verwechselt hat.
@Micha: Du scheinst die Serviceunterlagen für dieses Gerät zu besitzen. Wo wird der Ruhestrom gemessen? Die Trimmpotis zur Einstellung habe ich gefunden, es sind zwei (eines pro Röhrenpaar).
Lutz
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Re: Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
Guten Morgen Lutz,
Messpunkte für den Ruhestrom findest Du an den Widerständen R26 un R27. Je 2 EL34 (also jedes Pärchen) haben einen gemeinsamen kleinen Messwiderstand (1 Ohm) zwischen Kathoden und Masse. Da auf knapp 60mV (30 pro Lampe) einstellen.
Hier findest Du die Schaltungsunterlagen:
https://el34world.com/charts/Schematics ... 10_sch.pdf
https://el34world.com/charts/Schematics ... iagram.jpg
Gruß
Micha
Messpunkte für den Ruhestrom findest Du an den Widerständen R26 un R27. Je 2 EL34 (also jedes Pärchen) haben einen gemeinsamen kleinen Messwiderstand (1 Ohm) zwischen Kathoden und Masse. Da auf knapp 60mV (30 pro Lampe) einstellen.
Hier findest Du die Schaltungsunterlagen:
https://el34world.com/charts/Schematics ... 10_sch.pdf
https://el34world.com/charts/Schematics ... iagram.jpg
Gruß
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Re: Frage zu Ersatzröhren für einen Marshall-Verstärker
Die Röhren sind heute schon angekommen.
Zunächst war ich schockiert, über einem der beiden 1 Ohm-Widerstände eine Spannung von fast 20 Volt zu messen. Das lag daran, dass dieser Widerstand defekt war. Ein zeitweiliger Kurzschluss (klopfempfindlich) in einer der alten Röhren hatte ihn ins Jenseits befördert.
Vor dem Einstellen des Ruhestroms auf 60 mA hatte das eine neue Röhrenpaar (wo ich den Widerstand getauscht habe) einen Ruhestrom von 75 mA, das andere (wo eine der alten Röhren eine Unterbrechung an der Kathode hatte) von 130 mA! Der Strom war wohl eingestellt worden, als die Röhre schon defekt war. Der Besitzer sagte, dass der Verstärker nie geöffnet wurde. Das würde bedeuten, dass er bei Neuauslieferung fehlerhaft war: eine Endröhre arbeitete nicht, ihre Kollegin daneben mit dem doppelten Anodenstrom. Tz, tz...
Lutz
Zunächst war ich schockiert, über einem der beiden 1 Ohm-Widerstände eine Spannung von fast 20 Volt zu messen. Das lag daran, dass dieser Widerstand defekt war. Ein zeitweiliger Kurzschluss (klopfempfindlich) in einer der alten Röhren hatte ihn ins Jenseits befördert.
Vor dem Einstellen des Ruhestroms auf 60 mA hatte das eine neue Röhrenpaar (wo ich den Widerstand getauscht habe) einen Ruhestrom von 75 mA, das andere (wo eine der alten Röhren eine Unterbrechung an der Kathode hatte) von 130 mA! Der Strom war wohl eingestellt worden, als die Röhre schon defekt war. Der Besitzer sagte, dass der Verstärker nie geöffnet wurde. Das würde bedeuten, dass er bei Neuauslieferung fehlerhaft war: eine Endröhre arbeitete nicht, ihre Kollegin daneben mit dem doppelten Anodenstrom. Tz, tz...
Lutz