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Eine Notreparatur
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Autor:  röhrenradiofreak [ Fr Jan 17, 2020 22:27 ]
Betreff des Beitrags:  Eine Notreparatur

Kürzlich waren wir in einem indischen Restaurant essen, dessen Inhaber ich kenne. An diesem Abend fand dort ein Auftritt einer Bauchtänzerin statt.

In dem Restaurant gibt es eine Musikanlage, die aus einem CD-Player, einem älteren Stereo-Receiver und vier Lautsprecherboxen besteht. Normalerweise liefert diese nur leise Hintergrundmusik. An diesem Abend sollte für besagte Veranstaltung lauter aufgedreht werden. Prompt schaltete der Verstärker wegen Überlastung ab, und der Besitzer fragte mich um Rat.

Ich hatte kein Werkzeug, kein Messgerät und kein Material dabei, und überlegte, ob ich auf die Schnelle Ersatz auftreiben könnte. Aber dort in der Nähe kenne ich niemanden, die Läden hatten schon geschlossen, und nach Hause sind es rund 30 km (einfache Entfernung) - da sind die Möglichkeiten sehr begrenzt. Aber erstmal schauen.

Je zwei Lautsprecherboxen waren parallel an einem Lautsprecherausgang angeschlossen. Zwei der Lautsprecher haben kurze Kabel, sie verursachten die Überlastung und Abschaltung des Verstärkers. Die beiden anderen Lautsprecher hängen am anderen Ende des Raumes und sind über ein gemeinsames längeres Kabel angeschlossen.

Um die Überlastung zu beseitigen, schaltete ich die beiden Lautsprecher mit der kurzen Kabellänge in Reihe statt parallel. Das war auch ohne Werkzeug, nur durch Zusammenzwirbeln der Kabelenden und Isolieren mit Tesafilm, möglich. Bei dieser Gelegenheit habe ich gleich noch einen Phasendreher beseitigt. Und voila: die Musikanlage arbeitete einwandfrei, der Verstärker schaltete nicht mehr ab. Die in Reihe geschalteten Lautsprecher waren nun hörbar lauter als vorher bei Parallelschaltung - ein deutliches Zeichen für eine krasse Fehlanpassung. Die Veranstaltung konnte beginnen.

Die ganze Aktion hat weniger als 10 Minuten gedauert. Bei meinem nächsten Besuch werde ich die Kabel noch etwas ordentlicher verbinden.

Lutz

Autor:  countryman [ Fr Jan 17, 2020 22:39 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Eine Notreparatur

Herrlich. Und bis gerade dachten noch alle im Saal, Elektrowissen wäre etwas das man im Alltag nie braucht...

Erinnert mich an eine Schwedenreise mit einer Jugendgruppe vor über 30 Jahren. In der Unterkunft gab es eine Musikanlage, die wohl von den vorherigen Besuchern schon gründlich getestet worden war. Dementsprechend war von unseren mitgebrachten Cassetten leider nichts zu hören. Mit etwas basteln und Improvisation konnte ich dann immerhin einen der beiden Stereokanäle überreden. So haben wir Life is life dann eben in Mono gehört.
Die Hauseigentümer hatten im Keller einen Röhrenklassiker ohne UKW. Leider wollten sie ihn mir nicht verkaufen.

Autor:  eabc [ Sa Jan 18, 2020 16:58 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Eine Notreparatur

Hallo Lutz,
@.....Die ganze Aktion hat weniger als 10 Minuten gedauert.

Und dir hoffentlich einen kostenfreien Genuß von Speise und Trank eingebracht :mrgreen:

Autor:  röhrenradiofreak [ Sa Jan 18, 2020 17:45 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Eine Notreparatur

Die Getränke für die ganze Famile brauchte ich nicht bezahlen. Die ganze Rechnung hätte umgerechnet einen Stundenlohn im mittleren dreistelligen Bereich bedeutet, das hätte ich nicht guten Gewissens angenommen.

countryman hat geschrieben:
Herrlich. Und bis gerade dachten noch alle im Saal, Elektrowissen wäre etwas das man im Alltag nie braucht...

Für viele Leute trifft das heute zu. Wenn ein Gerät ausfällt, wird es kurzerhand entsorgt und ein neues gekauft - der Kram aus China und ähnlichen Ländern ist hierzulande so billig, dass sich der Versuch einer Reparatur nicht lohnt. Wenn am Auto irgendetwas nicht funktioniert, führt der Weg in die Werkstatt, und die Elektroinstallation zu Hause ist so zuverlässig, dass man sich damit nicht beschäftigen muss. Stereoanlagen, die aus Einzelgeräten zusammengestellt sind, findet man sowieso immer weniger. Das Einzige, womit sich viele Leute intensiv beschäftigen, ist Software in jeglicher Form. Da gibt es absolute Experten, die aber überfordert wären, wenn sie vor der Aufgabe stünden, mit einem Multimeter herauszufinden, ob irgendwo Spannung anliegt.

Lutz

Autor:  hoeberlin [ Sa Jan 18, 2020 22:52 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Eine Notreparatur

Kleine Anekdote aus einer Urlaubsreise...

Unser Rückflug aus den USA war damals wegen des Vulkanausbruchs auf Island um 2 Tage verschoben worden. Wir waren in El Paso, und aus lauter Zeitvertreib landeten wir in einer Shopping Mall in einem Jeansladen.

Die gar nicht mal übermäßig laute Musik aus den Lautsprechern klang grausam verzerrt. Der Kassentresen war mittig im Raum, und unter dem Tresen erblickte ich einen Regelwiderstand zur Lautstärkeanpassung, der auf ca 10% eingestellt war.

Ich bot dem Mitarbeiter meine Hilfe an. Er berichtete, daß sich an diesem Problem schon 2 Fachfirmen erfolglos die Zähne ausgebissen hätten, und der Verstärker auch schon mehrfach zur Reparatur war. Er hat dann seinen Chef angerufen, und ich erhielt die Erlaubnis, mein Glück zu versuchen.

Also zuerst zum Verstärker, der sich in einem hinterem Raum befand. Der Volume Einsteller war fast am Rechtsanschlag. Nachdem ich den zurückgedreht hatte, und den Regelwiderstand auf 75% gestellt hatte, und dann die Lautstärke am Verstärker auf das gewünschte Maß gestellt hatte, war die Klangqualität einwandfrei, und der Mitarbeiter freute sich. Ich gab ihm noch den Rat, darauf zu achten, daß der Regelwiderstand nie unter 60% steht.

Ich weiß nicht, was der über die lokalen Fachleute dann gedacht hat....

VG Henning

Autor:  röhrenradiofreak [ So Jan 19, 2020 10:55 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Eine Notreparatur

Erstaunlich, dass man Dich daran gelassen hat. Es gäbe jede Menge Gründe, das nicht zu tun: Misstrauen gegenüber einem Unbekannten, Angst, dass Du den Tresor im Hinterzimmer ausrauben könntest, versicherungstechnische Gründe, ...

Ich könnte mir vorstellen, dass die Fachleute dasselbe getan haben wie Du, aber das irgendwann wieder verstellt wurde. Anlagen, bei denen die Lautstärke an mehr als einem Regler einstellbar ist, sind erfahrungsgemäß nichts für Laien.

Lutz

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