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BeitragVerfasst: Mi Jan 20, 2010 9:55 
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Gerätevorstellung: Schaub York W (Bj. 1931)

Dieses Schaub York W Baujahr 1931 ist das älteste Radio aus meiner Sammlung.
Mit den Abmessungen 45x45x33cm und einem Gewicht von 18,5kg ein ziemlich dicker "Brummer".

Bild

Laut Daten von Radiomuseum.org, wurde das Gerät in den Jahren 1931 bis 1933 hergestellt und
für 347RM verkauft. Nach Informationen aus dem Internet, betrug das durchschnittliche
Monatseinkommen 1931 ca. 160RM. Das Radio war also damals schon eine größere Anschaffung.
Hier ein Werbeprospekt aus der Zeit.

Bild

Der Blick in das innere des Gerätes zeigt oben einen großen, schräg eingebauten,
elektrodynamischen Lautsprecher und den zugehörigen Ausgangsübertrager. Für die hier zu
erwartende Ausgangsleistung von ca. 1Watt, ein ziemlich großes Exemplar. Im unteren Teil des
Gehäuses ist das im Werbeprospekt erwähnte 5 Röhren-Chassis untergebracht.

Bild

Schaltungstechnik

Schaltungstechnisch handelt es sich beim Schaub York W um einen Zweikreis Geradeaus-Empfäger
mit der folgenden Röhrenbestückung:

RENS1204 (HF-Tetrode) HF Stufe
REN904 (Triode) Demodulatorstufe als Anodengleichrichter
REN904 (Triode) NF-Vorstufe
2xRE134 (Trioden) NF-Enstufe (parallel geschaltet)
RGN1054 (2Weg-Gleichrichter) Stromversorgung

Die Antenne ist über einen MW Sperrkreis induktiv an den ersten Kreis des Gerätes angekoppelt.
Die Antennenspulen sind für eine variable Antennenkopplung als Schwenkspulen ausgeführt.
Vom ersten Kreis geht das Signal auf das Gitter der HF-Stufe RENS1204.Die Anodenspannung wird
der Röhre über eine HF-Drossel zugeführt. Die Kopplung an den zweiten Kreis erfolgt kapazitiv
über einen 1nF Kondensator.
Vom zweiten Kreis gelangt das HF-Signal an die Demodulatorstufe, eine als Anodengleichrichter
geschalteten REN904. In dieser Stufe erfolgt auch die, über einen Drehko regelbare, Rückkopplung
zur Entdämpfung des zweiten Kreises. An der Anode der Röhre steht das demodulierte NF-Signal
zur Verfügung.

Hier der HF-Teil des Schaltbildes.

Bild

Das folgende Bild zeigt den mechanischen Aufbau des ersten Kreises mit den schwenkbaren
Antennenspulen in der Mitte. Die Betätigung der Spulen erfolgt über den kleinen Hebel unter dem
Drehko. Um den Gleichlauf zwischen den beiden Kreisen optimal einstellen zu können, ist bei
diesem Drehko das Statorpaket beweglich, drehbar, angeordnet. Für die Bedienung gibt es den Hebel
links neben der Trommelskala.

Bild

Rechts auf dem Chassis ist der zweite Kreis mit den Rückkupplungsspulen angeornet. Unterhalb des
großen Drehkos ist hier der Drehko für die Regulierung der Rückkopplung zu erkennen.

Bild

Der NF-Teil des Radios besteht aus einer REN904 als NF-Vorstufe und 2 parallel geschalteten RE134
als NF-Endstufe. Eine der direkt geheizten RE134 liefert eine Sprechleistung von ca. 500mW,
durch die Parallelschaltung steht etwa 1 Watt zur Verfügung. Dem Werbeprospekt nach, gab es das
Gerät alternativ auch mit einer "Kraftröhre" als NF-Endstufe. Möglich wäre z.B. eine RE604 mit
einer Sprechleistung von 1,7 Watt.

Bild

Die Stromversorgung des Radios ist im Wesentlichen Standard. Bemerkenswert sind die relativ kleinen
Kapazitätswerte des Lade- und Siebkondensators von nur je 2µF. Zum Teil wird die geringe Kapazität
durch die ziemlich dicke Siebdrossel ausgeglichen. Ganz brummfrei ist das Radio allerdings nicht.

Die Feldwicklung des elektrodynamischen Lautsprechers wir hier übrigens nicht als Siebdrossel
verwendet, sondern ist parallel zum Ladekondensator direkt an die Anodenspannung angeschlossen.

Bild

Bauteile

Ein Blick unter das Chassis zeigt, dass die 1931 verwendeten Bauteile doch etwas von denen späterer
Jahre abweichen. Elkos gibt es im Gerät z.B. noch keine, alle größeren Kapazitäten sind als
papierisolierte Becherkondensatoren ausgeführt. Passende Elkos waren wohl noch nicht verfügbar.

Bild

Bei den Widerständen sind für die kleineren Werte sogenannte Kordelwiderstände verbaut. Auf den
ersten Blick sehen diese Teile aus wie ein Stück Draht mit Isolierhülle, es sind aber tatsächlich
Widerstände. Größere Werte, ab etwa 100kOhm, sind als "normale" Widerstände mit angepressten Drähten
ausgeführt.
Kaum zu glauben, auch nach fast 80(!) Jahren ist noch kein einziger dieser Widerstände defekt.
Bei den Kondensatoren sah es allerdings ganz anders aus…

Bild

Bedienung

Die Bedienung des Radios bedufte zeittypisch relativ vieler Knöpfe und Hebelchen. Das Bild unten
zeigt die Bedieneinheit mit der beleuchteten Trommelskala, Hebeln für Antennenkopplung, Rückkopplung,
Gleichlauf und dem Netzschalter. Über eine unscheinbare Schraube oben links, lässt sich der eingebaute
Sperrkreis auf einen störenden Ortssender im Mittelwellenbereich abgleichen.

Bild

Spezielle Einstellmöglichkeiten für Lautstärke und Klang sind nicht vorgesehen. Die Lautstärke lässt
allerdings durch Variieren der Antennen- und Rückkopplung relativ gut regulieren. Beim Klang geht das eher
weniger, aber das war Anfang der 30er Jahre vielleicht auch noch nicht so ein wichtiges Thema.

Holger


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BeitragVerfasst: Mi Jan 20, 2010 17:06 
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Registriert: Sa Mai 02, 2009 13:52
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Hallo Holger,
ein schönes Gerät, danke für den ausführlichen Bericht!
Aber Kondensatoren tarnt man bei einem Vorkriegsgerät doch... :wink:
Niko

_________________
Was die Welt funkt hör' mit Blaupunkt!


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BeitragVerfasst: Mi Jan 20, 2010 17:09 
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Ja, bis auf die -ich denke, noch- ungetarnten Lutscher- top.
:super: :super:
Ein schönes Gerät, bei dem der Besitzer noch richtig Maschinist sein darf...

Edi


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BeitragVerfasst: Mi Jan 20, 2010 19:56 
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Hallo PL504,
das Chassis wurde in früheren/anderen Schaub Geräten (Beta, Consolette) auch ohne eingebauten LS angeboten.
Die externen LS waren oft nicht elektrodynamisch, also ohne Feldspule. (z.B. Freischwinger)
Die Anschlüsse für LS und Feldspule sind auch Steckbar ausgeführt. (siehe Bild)

@Niko
Einige C`s hab ich in den Bechern versteckt ;-)

Holger


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BeitragVerfasst: So Feb 07, 2010 16:00 
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Hallo Holger,

danke für die klasse Gerätevorstellung !

Ich bin auch im Besitz eines solchen Gerätes und aufgrund Deines Berichtes habe ich nun Lust, es wieder zum Leben zu erwecken. Leider wurde bei meinem Gerät die Netzdrossel durch eine andere ersetzt und ich habe die Befürchtung, dass diese nicht so richtig zur Schaltung passt. Zumindest der Widerstand sollte passen, damit die Anodenspannungen nicht zu sehr vom Auslegungswert abweichen.
Könntest Du mir den Widerstand der Drossel ausmessen ?
Vielleicht könntest Du mir auch die Maße des EI-Blechpaketes ausmessen ?

Wäre super, dann könnte ich die Drossel evtl. mal nachbauen, Drahtstärke würde ich dann aufgrund Summe Anodenströme auswählen.

Gruß

Tonfunker


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BeitragVerfasst: Di Feb 09, 2010 21:55 
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Hallo Tonfunker,
der Gleichstromwiderstand der Drossel beträgt ca. 1300Ohm.
Bei meinem Gerät messe ich vor der Drossel 285V und 255V dahinter.
Durch die Drossel fließt also ein Strom von ca. 23mA.

Da die Drossel, wie auch der Netztrafo, unter einer Abschrimhaube
montiert sind, lassen sich die genauen Abmessungen leider nicht
mehr so einfach ermitteln. Ich denke aber, dass die Abmessungen nicht
besonders kritisch sind.

Während der Arbeiten an meinem Gerät, habe das Schaltbild und einige
Spannungswerte aufgenommen. Das Schaltbild findest Du Hier:

http://s10.directupload.net/images/user ... nkphg3.png

Holger


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BeitragVerfasst: Fr Feb 12, 2010 18:48 
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Hallo Holger,

vielen Dank für die Informationen :D !

Werde nun versuchen, das Gerät in den kommenden Tagen wieder in Betrieb zu nehmen.

Gruß

Tonfunker


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BeitragVerfasst: Sa Feb 13, 2010 13:29 
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Hallo Tonfunker,
ja, viel Erfolg dabei.
Wenn noch Fragen auftauchen, ich habe ja ein "Vergleichsgerät".

Eine Frage habe ich auch, ist bei Deinem Gerät dir REN904 für
die Anodengleichtrichterstufe noch irgendwie extra von oben
gesichert/befestigt? Bei meinem York neigt die Röhre in der
Aufwärmphase zur Mikrofonie und erzeugt dann Geräusche.
Das kann aber natürlich auch an der Röhre selbst liegen,
ganz neu ist die ja nicht mehr. ;-)

Holger


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BeitragVerfasst: Mi Feb 17, 2010 22:50 
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Hallo Holger,

auch bei meinem Gerät ist keine zusätzliche Halterung für die Kraftaudionröhre vorhanden.

Ich habe einen Auszug aus einem Prospekt angefügt, auf welchem das Chassis zu sehen ist. Aus der Abbildung geht hervor, dass die Röhre wohl nicht zusätzlich stabilisiert war.

Gruß

Tonfunker


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Schaub_5R_Fern_a_600.jpg
Schaub_5R_Fern_a_600.jpg [ 65.89 KiB | 2814-mal betrachtet ]
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BeitragVerfasst: Do Feb 18, 2010 21:45 
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Hallo Tonfunker,
im Bild unten kann man eine Halterung erkennen.
Die Abschirmhaube in meinem Schaub hat auch 2 Ausstanzungen die für so einen Drahtbügel gedacht sein könnten.
Möglicherweise ist diese zusätzlich Befestigung auch nur bei Geräten mit eingebautem Lautsprecher oder nur bei bestimmten Baujahren vorhanden.
Das würde erklären, warum in der Abbildung aus Deinem Prospekt davon nichts zu sehen ist.

Hast Du den Prospekt übrigens in besserer Auflösung?
Wenn ja, könnte ich einen Scan davon bekommen?
Das wäre eine schöne Ergänzung zu meinen Gerät.

Holger

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BeitragVerfasst: Mi Feb 24, 2010 23:52 
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Hallo Holger,

leider habe ich den Prospekt nur in geringer Auflösung auf meiner Festplatte.
Ich werde ihn in den kommenden Tagen scannen und Dir zukommen lassen.

Gruß

Tonfunker


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