Moin,
heute beschreibe ich die Reparatur eines Radios Schaub Lorenz SG54. Dieses Radio kam als Kundengerät in meine Werkstatt. Sehr verschmutzt. Es wurde wohl jahrelang in feuchter Umgebung gelagert. Die Bedienknöpfe links fehlten. Ich saugte den Staub aus dem Gehäuse ab und zog das Chassis heraus.
Die Zustandsprüfung:
Gehäuse verschmutzt, der Lack an einigen Stellen nicht mehr vorhanden. Viel Staub und Schmutz im Gehäuse und auf/in dem Chassis. Netzzuleitung fehlt, Chassis angerostet, Abstimmmechanik verrostet, auch die Laufstange für den Skalenzeiger, alle Achsen fest, Stahlskalenseil nur noch in rostigen Fragmenten vorhanden. Zierteile korrodiert.
2x Becher-Elkos nicht mehr vorhanden, diese waren ausgelaufen, Elektrolytspritzer fraßen sich durch die rückseitige Beschichtung der Skalenscheibe. Axiale Ersatzelkos waren mit Klebeband am Chassis „befestigt“. Diese Ersatzelkos hatten Kapazitätsverlust. Bei früheren Reparaturen wurden defekte Papierwickelkondensatoren gegen Wima-Bonbons getauscht, die jetzt auch defekt/aufgeplatzt waren.
Brandspuren eines Kurzschlusses der originales Netzzuleitung mit dem Chassis sind noch zu sehen.
Löcher in der Lautsprechermembran, Lautsprecherkorb verschmutzt, aber noch kein Rost/keine Fremdkörper im Schwingspulentopf.
Alu-Abschirmdeckel des Spulensatzes auf dem Tastenaggregat sind korrodiert, Spulenanschlüsse der LMK-Vorkreise sind abgerissen.
Die Drehkolamellen klemmen, das Drehko-Antriebsrad/Getriebe sitzt fest.
Es ist ein Schluß im Antennen-Eingangskreis der UKW-Tunerbox.
2x EC92, ECH81, EF94, EF93, EABC80, AZ12 haben gute Emission.
EL12 hat Heizfadenbruch, EM71 hat keine Emission und kein Leuchtbild.
Übertrager und Trafo sind i.O. aber die Sicherungshalter sind oxidiert und die Haltenieten aufgesprungen. An der Fixierschraube des Spannungswählers war Pressstoff abgesprungen.
Messingzierteile und Alu-Zierteile sind korrodiert.
Die Reparatur:
Die Abstimm-Mechanikteile und der Drehkondensator mit UKW-Tunerbox wurden ausgebaut. Der Drehko wurde mit Reinigungsbenzin ausgewaschen, die Lamellen gerichtet und die Lagerung neu gefettet. Die Pressstoffscheibe des Drehkogetriebes war angerissen, ich fertigte auf der Drehbank eine Scheibe aus kupferbeschichteten FR4-Platinenmaterial an. Diese klebte ich in die Pressstoffscheibe ein.
Der Alu-Deckel auf dem Tastenaggregat wurde abgebaut und abgeschmirgelt. Die Achsen und die Laufstange wurden auf der Drehbank entrostet. Die Potenziometerachse verblieb, wurde abgeschmirgelt und neu gefettet. Für die Reinigung des Ausschalters hinter dem Potenziometer wurden kleine Spülbohrungen in das Gehäuse gebohrt und der Schalter selbst mit T6 gespült. Eine neue Netzzuleitung wurde angefertigt und angeschlossen und unter der Zugentlastung in Schrumpfschlauch geführt.
Die sehr verschmutzten Schaltkontakte des Tastensatzes wurden mit alkalischem Reiniger gespült, die schmutzige Soße wurde mit Putzlappen aufgefangen. Nach dem Trocknen wurden die Kontakte mit Kontaktfett eingerieben. Die abgerissenen Litzen der LMK-Vorkreisspulen wurden wieder angelötet.
Die Sicherungshalter am Trafo wurden abgeschmirgelt. Starker Schaltdraht wurde durch die Nietenlöcher gezogen und einseitig abgewinkelt und angelötet. Nach dem Spannen und dem Abwinkeln auf der anderen Seite wurde der Schaltdraht auch hier verlötet. Jetzt konnten die Sicherungshalter neue Sicherungen aufnehmen. Der Pressstoff an der Fixierschraube des Spannungswählers wurde auf der Drehbank abgedreht und ein neuer Schraubendreher-Schlitz eingesägt.
Alle Elkos und alle Papierwickelkondensatoren wurden erneuert. Die neuen Elkos wurden mit Kabelbinder auf der Chassis-Unterseite gesetzt. Die originalen Elkos hatten Schränklappenbefestigung in heute nicht mehr gängigen Abmaßen. Den 9kHz-Saugkreis in der NF-Endstufe und die beiden „Trafokiller-Kondensatoren“ an der AZ12 habe ich ersatzlos entfernt.
Die taube EM71 wurde durch eine 6E5S mit Vorwiderstand in der Anodenspannungsversorgung ersetzt. Damit die nun notwendige Oktal-Fassung ausgerichtet werde konnte, fertigte ich aus 2mm Stahldraht eine drehbare Halteklammer für die Fassung an. Eine Ersatz-EL12 hatte ich im Bestand.
Die abbaubaren Gehäuse-Zierteile wurden mittels einer in der Drehbank eingesetzten Polierscheibe und Polierpaste aufpoliert.
Die beiden kleinen Löcher in der Lautsprechermembran wurden mit Leim und weichem Papier versiegelt.
Der Drehkondensator mit UKW-Tunerbox wurde eingebaut, der Schluß im Eingangskreis behoben (Schraube im Niet, auf dem der Mitten-Anschluß des UKW-Eingangsübertragers liegt). Alu-Deckel mit Halterung für die 3x Skalenlampen eingebaut. Die originalen Skalenlampen waren weiter verwendbar.
Nachdem alle Teile der Abstimm-Mechanik angebracht waren, zog ich neues Skalenseil auf. Auch die Anzeige des Höhen-Einstellers erhielt ein neues Seil. Das alte Seil riss ja ab, weil die Mechanik fest saß… Die gereinigte Pappblende (Skalenhintergrund) setzte ich wieder ein, danach wurde die Skalenscheibe und die gereinigten Bedienknöpfe links und rechts neben den Tasten eingesetzt. Die Löcher im Druck auf der Skalenscheibenrückseite „bemalte“ ich mit schwarzem Edding-Stift.
Es folgte die Inbetriebnahme mit dem Formieren der Elkos, dann die Anschaltung an den Regeltrenntrafo mit Wattmeter und Vorschaltlampe. Späterer Betrieb an 230V Netzspannung mit 73W Leistungsaufnahme, Heizspannung 6,2V, Anodenspannung 250V, Spannungswähler dabei auf 240V. Betrieb mit Testlautsprecher. Danach Prüfung nach VDE701 mit dem Benning ST710. Es war kein Nachabgleich der Vorkreise oder ZF-Kreise erforderlich.
Das Gehäuse mit dem Innendipol wurde gereinigt (mehr sollte ich da nicht tun…) , die Zierteile wurden eingesetzt, der Lautsprecher wurde eingebaut. Dann konnte das Chassis folgen. Das magische Auge wurde eingesetzt und ausgerichtet. Die Rückwand und die Bodenplatte wurden gereinigt und angebracht. Aus meinem Fundus wählte ich optisch passende braune Bedienknöpfe mit Zierringen. Es folgte ein längerer Probelauf.
Mein Fazit: Ein Oberklasse-Radio der damaligen Zeit mit empfindlichem UKW-Tuner und EL12 Endröhre. Die nach Schaltbild vorhandene Diode zur UKW-Rauschunterdrückung habe ich nicht gefunden, sie wurde wohl entfernt. Die Skala hat 2 verschiedene UKW-Kanal-Einteilungen (1952/1953). Der Kurzwellenbereich reicht von 180 Meter bis 14 Meter. Dazu Kurwellenlupe, Bandbreiten-Einstellung, 3-fach Drehko. Leider noch ohne Ferrit-Antenne. Diese fand sich kurze Zeit später im SG54A, sogar mit einer eigenen Verstärkerstufe mit EF94.
Dieses Radio hier wurde leider durch die feuchte Lagerung unnötig beschädigt.
Bilder:
01 Radio im Anlieferzustand
02 Rückwand entfernt
03 Bodendeckel abgenommen
04 Chassis ausgebaut
05 Skalenscheibe und Blende abgebaut
06 festsitzende Achse Höhen-Anzeige
07 Brandspuren Kurzschluß Netzanschluß am Schalter
08 abgebauter Spannungswähler
09 Trafo mit nachgearbeiteten Sicherungshalter/Spannungswähler
10 Chassisunterseite nach Reinigung und Bauteiletausch
11 entrostete Achse für Höhen-Anzeige
12 verrostete Laufstange mit Skalen-Anzeiger und Skalenseilrest
13 Abstimm-Achse im Drehbankfutter
14 neues Skalenseil und neues Seil für Höhen-Anzeige aufgezogen
15 Blende und Anzeiger für Höhen und Kurzwellenlupe angebracht
16 Skalenscheibenrückseite vor dem Ausbessern
17 erster Probelauf
18 Zierteile vor dem Polieren
19 Lautsprechermembran geklebt
20 Gehäuse und Innendipol gereinigt
21 Betrieb auf UKW, „Jagdstrecke“ vor dem Radio
Viele Grüße
andreas
schaub-lorenz sg54
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Tubeandy
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hf500
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Re: schaub-lorenz sg54
Mopin,
imposantes Chassis, besonders der Netztrafo. Schliesslich hat er die EL12 und den Gleichrichter zu versorgen, der Rest ist da schon "Kleinkram.
Die Feuchtigkeit hat da ganz gut hineingebissen ....
Aber Etwas stoert (zumindest mich). Optisch, ggf. praktisch, nicht technisch:
In diesen Geraeten wirken Printkondensatoren fehl am Platz, zumal sie oft auch nicht zwanglos eingebaut werden koennen.
Da sind axial bedrahtete Kondensatoren besser geeignet, die dort nicht wie Fremdkoerper wirken.
Eine Bezugsquelle:
https://atr-shop.de/kondensatoren/axial ... oleranz-5/
Kondensatoren fuer 630V sind da eine vernuenftige Wahl. Der Preisunterschied zu 400V ist gering und es vereinfacht den Versand und die Lagerhaltung
Etwas faellt mir da noch auf: Das Geraet hat fuer AM einen Dreifachdrehko. Dem Roehrensatz nach hat das Geraet einen Bandfiltereingang.
Aber vor dem Bandfilter neben dem Drehko ist eine Bohrung fuer eine Roehrenfassung im Chassis. Das sieht so aus, als gehoere da die AM-Vorstufe hin, sei es aperiodisch mit Bandfiltereingang oder als abgestimmte Vorstufe.
73
Peter
imposantes Chassis, besonders der Netztrafo. Schliesslich hat er die EL12 und den Gleichrichter zu versorgen, der Rest ist da schon "Kleinkram.
Die Feuchtigkeit hat da ganz gut hineingebissen ....
Aber Etwas stoert (zumindest mich). Optisch, ggf. praktisch, nicht technisch:
In diesen Geraeten wirken Printkondensatoren fehl am Platz, zumal sie oft auch nicht zwanglos eingebaut werden koennen.
Da sind axial bedrahtete Kondensatoren besser geeignet, die dort nicht wie Fremdkoerper wirken.
Eine Bezugsquelle:
https://atr-shop.de/kondensatoren/axial ... oleranz-5/
Kondensatoren fuer 630V sind da eine vernuenftige Wahl. Der Preisunterschied zu 400V ist gering und es vereinfacht den Versand und die Lagerhaltung
Etwas faellt mir da noch auf: Das Geraet hat fuer AM einen Dreifachdrehko. Dem Roehrensatz nach hat das Geraet einen Bandfiltereingang.
Aber vor dem Bandfilter neben dem Drehko ist eine Bohrung fuer eine Roehrenfassung im Chassis. Das sieht so aus, als gehoere da die AM-Vorstufe hin, sei es aperiodisch mit Bandfiltereingang oder als abgestimmte Vorstufe.
73
Peter