Anodenstrom EL83

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ingo_69
Philetta
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Anodenstrom EL83

Beitrag von ingo_69 »

Hallo und guten Abend,

Ich war als Kind begeistert von Röhren, hab aber damals die Teile aber eher gesammelt als gebastelt. Meine Erfahrungen in praktischer Röhrentechnik sind also eher gering. Immerhin habe ich ein Statron 303/1 wieder in Betrieb genommen und wollte nun mit dem schönen Teil einfach testhalber mal den Anodenstrom an einer EL83 messen. Dafür hatte ich sowohl einige Röhren als auch ein schönes Bakelit Brettchen mit Röhrenfassung und mit zur EL83 passenden Beschriftung. Nur die Belötung war wohl mal geändert worden - das hab ich erst bemerkt, als gar nichts passierte - immerhin besser als Feuerwerk.
Nachdem ich die Anschlüsse nach Datenblatt korrigiert hatte habe ich die Röhre folgendermaßen angeschlossen:
Anodenspannungsausgang des Statron über einen 4k Widerstand an das Schirmgitter und über einen 1k Widerstand und ein Analog Multimeter an die Anode. Kathode und Bremsgitter an Masse. Das Steuergitter an den 0..-15V Ausgang des Statron. Heizung an 6,3V.

Ich habe bei -15V Gitter und 200V Anodenspg. angefangen. Nachdem lange nix passiert schaltet mit einmal ohne erkennbaren Ausschlag des Zeigers des Amperemeters die Überstromsicherung des Statrons die Anodenspannung ab. Der Abschaltstrom war ungefähr mittig eingestellt, also bei ca. 150mA.

Können das Schwingungen gewesen sein? Wie machen das die Hersteller von Röhrenprüfgeräten? Wenn Widerstände für jede Röhrentyp passend direkt am Sockel beschaltet werden müssten um Schwingungen zu vermeiden dann würden doch die bekannten Röhrenprüfgeräte gar nicht funktionieren können: Da sie es aber tun, muss es doch noch eine andere Methode geben, Schwingungen zu vermeiden?

Wenn da was schwingt, kann man das auf einem 5Mhz Oszi sehen? In welchen Bereich liegen die entstehenden Frequenzen denn?

Nachtrag: Vor Abschicken dieses Beitrags hatte ich dann noch versuchsweise mit einem Kathodenwiderstand von 100Ohm und darüber erzeugter Gitterspannung und näher an der Röhre plazierten Widerständen für Anode und Schirm gearbeitet. Es ging etwas besser, aber der Wert des Anodenstroms änderte sich, als ich das Kabel an der Anode berührte und los ließ um fast 10mA - Es war isoliert, nicht, dass ihr denkt, die 10mA gingen auf mich :-D

Irgendwie komme ich mir ziemlich blöd vor, dass so eine eigentlich einfache Messung so mistig läuft. Ich würde mich freuen, wenn jemand ein paar Tips hat, was ich falsch gemacht habe oder wie ich es besser machen könnte.

Viele Grüße,
Ingo
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Re: Anodenstrom EL83

Beitrag von radio-hobby.de »

Hallo Ingo,
da bisher keiner geantwortet hat mein bescheidenes Wissen zum Thema:
direkt an den Steuergitter-Kontakt würde ich in die Zuleitung zum Gitter einen 1kOhm-Widerstand einschleifen. Der stört deine Messungen nicht, weil kein Gitterstrom fließt, aber unterdrückt Schwingungen.
Wilde Schwingungen ohne den beschriebenen Widerstand sollen im UKW-Bereich liegen, da reicht zum Darstellen dieser Schwingungen ein Oszi bis 5 MHz bei weitem nicht, vielleicht nicht einmal ein 50 MHz-Oszi.
Heinz Richter schreibt in "Radiobasteln..." 9. Auflage Seite 97:
"Unmittelbar vor dem Gitter der EL 84 befindet sich noch ein Widerstand von 1000 Ohm; Endröhren erzeugen nämlich leicht unerwünschte Schwingungen im Ultrakurzwellengebiet... Durch das Einschalten des erwähnten Widerstandes kann man das Entstehen der Schwingungen leicht verhindern."

Mir ist aufgefallen, dass Heinz Richter diesen Wderstand bei seinen Selbstbau-Vorschlägen sehr konsequent bei Endstufenröhren (EL 84, EL 41) einsetzt.
In Industrieschaltungen sieht man ihn hin und wieder, aber nicht so regelmäßig.
Warum nicht einfach immer alle an dieser Stelle einen 1kOhm Widerstand einbauen, kann ich dir auch nicht erklären.

Ändern sich die Gleichströme beim kapazitiven Annähern der Hand, hast du mit einiger Wahrscheinlichkeit HF-/VHF-Effekte. Brummeinstreuungen könnten aber auch eine Rolle spielen. Brummspannungen kannst du selbstverständlich mit deinem 5 MHz Oszi sichtbar machen.

Analog-Meßgeräte zeigen normalerweise als Amperemeter den Gleichstrom (bzw. als Voltmeter die Gleichspannung) auch dann noch korrekt an, wenn dieser mit HF überlagert ist, es sei denn, am Drehspul-Messwerk in dem Analog-Multimeter wären Dioden verschaltet - dann könnte es zu falschen Anzeigen führen. Ich habe in solchen Fällen (Dioden am Meßwerk) bei HF-Überlagerung meist falsch hohe Meßwerte beobachtet, eigentlich nie falsch niedrige.

Da du plötzlich auftretende Effekte gesehen hast, sind Kontaktprobleme zwischen Sockel und Fassung denkbar und sollten ausgeschlossen werden.

Gruß
Georg
Ein guter Irrtum braucht solide Fehlannahmen. :wink: