Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

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Fit2win
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Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von Fit2win »

Hallo liebe Dampfradio-Freunde,
Ich bin neu hier im Forum, habe aber bereits einiges hier recherchiert zu meinem alten Radio. Ich hoffe, dass Ich mich nicht zu laienhaft anstelle, denn bisher hatte Ich mit dieser Radiotechnik nichts zu tun. Ich bedanke mich schon im Voraus für Eure Ratschläge und Unterstützung.
Aus dem Nachlass der Schwiegereltern habe Ich ein Nordmende Carmen U18 in einem guten Zustand. Es wurde in den letzten 30 Jahre kaum genutzt und von mir sporadisch vielleicht einmal im Monat eingeschaltet. Eigentlich funktioniert alles gut, jedoch zeigt sich ein dauerhaftes Brummen und auch das Potentiometer für die Lautstärke kratzt.
Aus meinen Nachforschungen glaube Ich, folgendes gelernt zu haben:
Das Carmen U18 ist ein Carmen 60 mit dem Chassis 0/630 aus dem Jahr 1959 oder 1960
Den Schaltplan habe Ich mir bei Euch schon runtergeladen
Um das Brummen zu eliminieren muss man wohl den Becher-Elko (oder Doppel-Elko) C199 (50µF und 100µF) ersetzen oder mit zwei Elkos neu befüllen
Außerdem sollten die Elkos C141, C142, C143, C133 (+ auf Masse) und C148 ersetzt werden
Das Potentiometer kann man mit Reinigungsspray „Tuner 600“ reinigen
Nun meine Fragen:
Stimmen meine Aussagen so, oder liege Ich falsch?
Wie kann Ich den Becher-Elko C199 ausbauen? Ist das eine Steckverbindung oder muss Ich die Lötungen an der Unterseite öffnen?
Wo finde Ich die anderen Elkos im Radio selbst? Ein Foto von der Unterseite habe Ich angehängt.
20260403_114657_klein.jpg
Vielen Dank für Eure Hilfe
Stefan
p.s: Der Gefahren bei Arbeiten an Röhrengeräten bin Ich mir bewusst, dazu habe Ich viel bei Euch im Forum gelesen
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von röhrenradiofreak »

Um das Kratzen des Lautstärkepotiss zu beseitigen, reicht es oft nicht aus. dieses zu reinigen. Dann muss der Kondensator, der an dessen Schleifer angeschlossen ist, erneuert werden. Das ist in diesem Radio der C172 (10nF). Das ist ein abgeschirmter Kondensator mit drei Anschlüssen. Der Anschluss, der mit Masse verbunden ist, ist die Abschirmung. Um diese beim Ersatzkondensator herzustellen, genügt es, einen (isolierten) Schaltdraht ein paarmal um den Kondensator zu wickeln und diesen mit dem gleichen Massepunkt zu verbinden, an dem die Abschirmung des alten Kondensators angeschlossen war. Wenn auch das nicht ausreicht, hilft es, einen Widerstand mit 1 bis 1,5 M Ohm zwischen Schleifer des Lautstärkepotis und Masse zu schalten.

Ansinsten würde ich, falls noch nicht geschehen, zuerst den Koppelkondensator zwischen NF-Vor- und Endstufe erneuern. Der ist eigentlich immer hinüber, das bewirkt, dass die Endstufe zu viel Strom zieht. Das überlastet nicht nur die Endstufenröhre und weitere Bauteile, sondern kann auch für das Brummen verantwurtlich sein. Der Kondensator hat im Schaltplan die Positionsnummer C143.

Die Anschlüsse des Becherelkos sind, wie die aller anderen Bauteile auch, gelötet. Auf dem Chassis befestigt ist er entweder mit einer großen Kunststoffmutter oder durch Schränklaschen, die durch Schlitze im Chassis gesteckt und verdreht sind. Das Gehäuse des Elkos muss guten Kontakt zum Chassis haben, sonst kann auch dies das Brummen verursachen.

Lutz
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von hf500 »

Moin,
eigentlich darf man alle Kondensatoren, die man da rechts unten bei dem Lautstaerkepoti sieht, auswechseln.
Die, die genauso aussehen und auf der Platine sind, auch. Es sind alles Papierkondensatoren, die aus der Luftfeuchtigkeit Wasser aufnehmen und inzwischen "nass" sind.

C141 siebt die Anodenspannung der NF-Triode. Ersetzen mit 0,47µF, diese Spannung kann nicht brummfrei genug sein.
Elkos hat das Geraet nur vier: Den Doppelkondensator im Netzteil, den Katodenelko der Endroehre und den Ratioelko. Dazu kommt noch ein Tonfrequenzelko, den ich auf der Schallwand vermute.

Einen gewissen Brummpegel muss man bei diesen Geraeten tolerieren, man hat den Aufwand dafuer nur so hoch getrieben, wie unbedingt notwendig. Daher darf man auch C141 vergroessern, der waere naemlich mit 0,47µ zu damaliger Zeit ein ziemliches Monster gewesen und vergleichsweise teuer dazu ;-).
So ganz stimmt das Vorhergesagte nicht, der Doppelelko im Netzteil ist mit 100µ + 50µ etwas grosszuegiger als sonst ueblich bemessen. Ueblich war da 50+50 µF.

Auch, wenn man schlecht drankommt: Die Roehrenfassungen auf der Platine nachloeten, besonders die der Endroehre. Hier leiden die Loetstellen durch die Roehrenwaerme.

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Peter
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von Fit2win »

Hallo Peter und Lutz,
erst mal vielen Dank für die Infos, das bringt mich einen riesigen Schriit weiter.

Hier noch ein Frage zu den Kondensatoren, die neu eingelötet werden sollen:

Bei "Frag Jan zuerst" gibt es eine Baureihe "Folienkondensatoren - Die Economy-Reihe". Die haben alle eine Nennspannung von 1500V und sind recht günstig im Preis. Kann Ich diese bedenkenlos für alle zu ersetztenden Kondensatoren verwenden, auch für die Elektrolyt-Kondensatoren (außer dem Doppel-Elko 100µF/50µF)? Außerdem braucht man die Polung nicht zu beachten.

Als Ersatz für den Doppelelko würde Ich, auch von "Frag Jan zuerst", den KON6050 (Schraubeklo 50+50+50µF, 350V) nehmen. Zwei mal 50 parallel schalten, dann hat man ja die 100µF.

Gruß
Stefan
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von hf500 »

Moin,
es gibt noch eine Quelle fuer Kondensatoren:

https://atr-shop.de/kondensatoren/axial ... oleranz-5/

es gibt sie auch fuer 400V, aber das lohnt bei dem Preisunterschied nicht.

Die Schraubelkos haben ein M18 Gewinde, diesen Durchmesser muss demnach die Bohrung im Chassis haben.
Es gaebe da noch eine preiswerte Moeglichkeit, moderne Standardelkos unter dem Chassis verstecken und den Originalelko von der Schaltung trennen, ansonsten aber belassen.
Damit sich keine brummenden Ausgleichsstroeme im Chassis breitmachen koennen, den gemeinsamen Minuspol der Netzteilelkos direkt mit dem Minuspol des Gleichrichters verbinden (die Suche nach den bestmoeglichen Massepunkten war durchaus eine ernsthafte Entwicklungsaufgabe).

73
Peter
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von röhrenradiofreak »

Fit2win hat geschrieben: So Apr 05, 2026 14:25...ie haben alle eine Nennspannung von 1500V und sind recht günstig im Preis. Kann Ich diese bedenkenlos für alle zu ersetztenden Kondensatoren verwenden, auch für die Elektrolyt-Kondensatoren (außer dem Doppel-Elko 100µF/50µF)?
Für die Elektrolyt-Kondensatoren siche nicht. Technisch würde das im Prinzip gehen, aber Du müsstest Unmengen dieser Kondensatoren parellel schalten, um auf die benötigte Kapazität zu kommen. Dafür reicht weder der Platz im Radio aus noch ist es preislich im Rahmen.

Bevor Du mit dems Austausch von Kondensatoren beginnst, fertige gute Fotos und/oder Skizzen des jetzigen Zustands an und mach nach dem Wechsel von maximal 3 Kondensatoren jeweils einen Funktionstest. Denn leicht passiert es, dass man einen Kondensator falsch anschließt, einen falschen Wert einbaut, oder man wird bei der Arbeit unterbrochen und weiß später nicht mehr genau, was erledigt ist und was nicht. In diesen Fällen hast Du so eine Chance, den Fehler zu finden.

Lutz
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von Fit2win »

Hallo,

die Masse des Becher-Elkos ist bereits direkt mit dem Gleichrichter verbunden. Das sollte also kein Problem sein. Den Elko habe Ich inzwischen ausgebaut, werde wohl den 50-50-50 von Frag-Jens-zuerst nehmen.
Aber hier noch ein paar weitere Fragen:

Mein Nordmende Carmen U18 hat insgesamt 91 Kondensatoren verbaut von 1pF(C14) bis 100µF(z.B. C148). Kann man aufgrund der Kapazität evtl. sagen welche Kondensatoren nicht getauscht werden müssen, weil sie länger leben oder nicht essentiell sind für die Gesamtfunktion des Radios?

Kann man einen Kondensator testen, ohne ihn auszubauen?

Obwohl ich vom Modellbau her einige Erfahrung habe im Löten, hätte ich gern eine Anleitung, wie man einen Kondensator herausnimmt und wieder einlötet. Gibt es da etwas, was ihr empfehelen könnt?

Danke und Gruß
Stefan
Fit2win
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von Fit2win »

röhrenradiofreak hat geschrieben: Mo Apr 06, 2026 11:44
Für die Elektrolyt-Kondensatoren siche nicht. Technisch würde das im Prinzip gehen, aber Du müsstest Unmengen dieser Kondensatoren parellel schalten, um auf die benötigte Kapazität zu kommen. Dafür reicht weder der Platz im Radio aus noch ist es preislich im Rahmen.
Lutz
[/quote]

welchen Elko emphiehlst Du als Ersatz für 100µF ?
Schadet es, wenn man einen Kondensator, der eine Nennspannung von z.B. 125V hat durch einen mit 1500V ersetzt, oder gilt je mehr desto besser?

Gruß
Stefan
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von fritz52 »

Eine der Regel bei den Kondensatoren lautet, der aufgedruckte max. Betriebsspannung Aufdruck darf nie tiefer, dafür aber höher gewählt werden. Die Baugrößer aber wächst mit der Erhöhung der aufgedruckten max. Betriebsspannung.
M. f. G.
fritz


- Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen :wink:
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von hf500 »

[quote=Fit2win post_id=311066 time=1775488655 user_id=9607]


1. Mein Nordmende Carmen U18 hat insgesamt 91 Kondensatoren verbaut von 1pF(C14) bis 100µF(z.B. C148). Kann man aufgrund der Kapazität evtl. sagen welche Kondensatoren nicht getauscht werden müssen, weil sie länger leben oder nicht essentiell sind für die Gesamtfunktion des Radios?

2. Kann man einen Kondensator testen, ohne ihn auszubauen?

3. Obwohl ich vom Modellbau her einige Erfahrung habe im Löten, hätte ich gern eine Anleitung, wie man einen Kondensator herausnimmt und wieder einlötet. Gibt es da etwas, was ihr empfehelen könnt?

Danke und Gruß
Stefan
[/quote]

Moin,
1.: Getauscht werden muessen eigentlich nur die Papierkondensatoren. Wie die Dinger gemeinhin aussehen: Die Kondensatoren unter dem Lautstaerkepoti duerften hier stellvertretend sein. Nicht nur die bitumenvergossenen, sondern auch die weissen "Neokon" Kondensatoren gehoeren dazu.
Keramik- und Kunstfolienkondensatoren werden nur bei Defekt getauscht.

2.: Man wird so eigentlich nur einen Kurzschluss feststellen koennen. Fuer andere Fehler (Feinschluss, Kapazitaet) muss er von der Schaltung getrennt werden.

3.: Muss man von Einzelfall abhaengig machen. Meist wird man sie direkt an der Loetstelle herausschneiden (merken, wo er angeschlossen war!), Bei Kondensatoren auf Platinen ergibt sich die Vorgehensweise zwangslaeufig. Bei diesem Geraet ist die Loetseite der Platine allerdings schlecht zugaenglich, da wird man sich was ausdenken muessen ;-)

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Peter
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Re: Nordmende Carmen U18: Brummen und Kratzen

Beitrag von röhrenradiofreak »

Fit2win hat geschrieben: Mo Apr 06, 2026 16:17 1. Mein Nordmende Carmen U18 hat insgesamt 91 Kondensatoren verbaut von 1pF(C14) bis 100µF(z.B. C148). Kann man aufgrund der Kapazität evtl. sagen welche Kondensatoren nicht getauscht werden müssen, weil sie länger leben oder nicht essentiell sind für die Gesamtfunktion des Radios?
Wie Peter schon schrieb: bestimmte Kondensatoren brauchen nicht erneuert werden. Nicht nur, dass sie sehr selten defekt sind, sondern manche nKondenatoren sind Teil von Schwingkreisen. Deren Tausch würde einen Neuabgleich des Radios erfordern. Diese Kondensatoren lässt man deshalb in Ruhe, solange nicht sicher feststeht, dass sie defekt sind. Wenn Du nur die Elkos und die von Peter beschriebenen Papierkondensatoren erneuerst, passt das schon.

Lutz