Rotel RA-1412

Fragen, Berichte und Tipps zu Reparatur und Technik für frühe Transistorgeräte bis in die 1970er Jahre.
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UliGausG
Philetta
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Registriert: Mi Okt 14, 2026 16:37
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Rotel RA-1412

Beitrag von UliGausG »

Hallo Gemeinde,
habe hier in meinem Rep.Cafe einen tollen Rotel RA-1412 hereinbekommen – mit 22 Kg ein echtes Schwergewicht.
Fehlerbeschreibung: Ein Kanal ohne Funktion
Habe recht schnell herausgefunden, dass der UNITE Trennschalter der Übeltäter war (bei diesem Verstärker kann man die Vorstufe von der Endstufe über diesen Schalter trennen um die Endstufe separat zu nutzen).
Mit ein wenig Kontaktspray war der defekte Kanäle wieder zu hören.
Allerdings waren die Aussteuerungsanzeigen nicht synchron bei gleichem Eingangspegel. Nach dem Studium der hervorragenden Serviceanleitung die es tatsächlich im Netz noch zu finden war, fand ich heraus, dass es dafür eine Justiermöglichkeit gab. Leider hat diese nicht zur vollständigen Befriedigung des Problems geführt. Lediglich für eine bestimmte Lautstärke konnte man beide Anzeigen synchronisieren. Sobald man eine andere Lautstärke einstellte, gab es wieder Unterschiede.
Habe mich dann weiter durch die Serviceanleitung gehangelt um die dort beschriebenen Einstellungen des Ruhestroms und des DC Offsets durchzuführen. Beides hat nicht funktioniert. Bei der Einstellung des DC Offsets konnte ich lediglich bis zu einer kleine positive Spannung herunterregeln. Die 0V Marke oder ein negativer Wert konnte nicht erreicht werden (gemessen mit einem digitalen Multimeter. Ein Analoges Messgerät mit Mittenanzeige steht mir nicht zur Verfügung).
Auch bei der Ruhestrom Einstellung konnte ich die angegebenen 30mV an den Testpunkten T1und T2 nicht einstellen. Es waren lediglich um die 400mV als tiefster Wert einstellbar.
Daraufhin wollte ich mir das Signal am Ausgang anschauen, wobei bei Anlegen der Masse der Prüfspitze eines USB Oszilloskops (Mailhaus DS1M12) über einen Lab-Top (ohne Erde Verbindung!) die Sicherungen der Endstufe auslösten!?
Zwei Endstufentransistoren 2SD426 einer Seite waren hinüber. Diese gab es bei meinem Hauslieferanten (Reichelt) nicht - aber dafür die 2SD424 mit fast den gleichen Werten nur für 150W (anstatt 100W). Habe davon dann direkt 4 Stück bezogen und anstelle der 4 originalen auf einer Seite eingebaut. Vorher habe ich versucht, die anderen Treiber Transistoren auf der Platine zu überprüfen, was sich als sehr schwierig herausstellte. Zumindest diejenigen an die ich mit den Prüfspitzen dran kam waren i.O. . Um an alle heranzukommen müsste man die Platine ausbauen und dabei alle Kabelverbindungen, die auf der Platine gewrappt sind, zerschneiden und anschließend wieder zusammenlöten.
Das habe ich zunächst einmal nicht gemacht aber vorsichtshalber beim nächsten Einschalten die Sicherungen mit 150 Ohm überbrückt – und sofort wieder ausgeschaltet, da sie sofort heiß wurden.
Da ja - wie im Schaltplan zu erkennen ist - je 2 der Transistoren pro +/- Zweig parallel geschaltet sind habe ich mich gefragt, inwieweit die Transistoren gepaart sein müssten. Der Test mit einem China Transistor Tester (Tr4) ergab nur Mist: bei einem Transistor wurde tatsächlich ein hfe Wert angezeigt aber bei einem anderen zwei Dioden mit und bei einem anderen zwei Widerstände!? Also kann man entweder dieses Messgerät in die Tonne entsorgen oder die Transistoren. Bei der klassischen Diodenstrecken Messung waren allen Transistoren i.O. .
Nun meine Fragen an die Experten:
1. Wie tolerabel dürfen die Pärchen der jeweiligen +/- Zweige,- und wie der 4 der ganzen Stufe sein? Ich nehme an, dass man zunächst einmal auch die Endstufe mit lediglich einem Transistor in je einem +/- Zweig laufen lassen kann, oder?
2. Wenn es tatsächlich Pärchen sein müssen – wo kann man solche beziehen – eventuell natürlich auch Ersatztypen?
3. Zum Testen ob der vordere Teil der Endstufe noch funktioniert – könnte man sie auch einmal ohne Endtransistoren testen?

Auf Euer Feedback bin ich gespannt und bedanke mich schon einmal herzlich.
UliGausG
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Bernhard W
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Re: Rotel RA-1412

Beitrag von Bernhard W »

Hallo UliGausG,

der Plan ist leider etwas unscharf. Wenn ich längere Zeit draufschaue, ist das für meine Augen zu anstrengend. Der Plan von Elektrotanya ist schärfer, aber dort ist die Endstufe auf zwei Seiten verteilt.

Im Schaltbild liegt Masse zwischen den beiden Versorgungsspannungen der Endstufe und auf Chassis-Potential. Beim Anklemmen eines Messgeräts an Masse dürfte nichts passieren.

Der Ruhestrom ist anscheinend viel zu hoch. Das sieht aus, als ob eine Basis-Emitter-Spannung (Soll: ca. 0,6 V) fehlt, also irgendwo ein Kurzschluss zwischen Basis und Emitter vorliegt.
Die Spannung zwischen Kollektor und Emitter von Q604 muss mit VR602 bis etwas unter 3,0 V einstellbar sein. Wenn das funktioniert, liegt der Fehler im Leistungsteil.

Mit VR601 kann man die Offsetspannung um ca ± 0,7 V verstellen. Das muss bei weitem ausreichen, um den Nullpunkt einzustellen. Der Eingangs-Differenzverstärker scheint völlig unsymmetrisch verstimmt zu arbeiten. Das kann auch daran liegen, dass irgend ein Transistor vollständig ausgefallen ist.

Im Schaltplan sind einige Spannungen angegeben, die würde ich mal nachmessen. Wenn die Endstufe zu warm wird, versuche mal den Betrieb mit niedrigerer Versorgungsspannung, z. B. über ein separates Netzteil. Am schnellsten wird sein, jeweils die Basis-Emitter-Spannung zu messen, die bei allen um 0,6 V betragen muss. Irgendeine dieser Spannungen wird deutlich zu niedrig sein.

Die Verstärkung wird eingestellt über das Verhältnis R614 / R612 und das ist unabhängig von der Lautstärke und der Aussteuerung, wenn die Grundverstärkung ausreichend hoch ist. Die Abhängigkeit der Verstärkung kann ebenfalls durch ungenügende Grundverstärkung verursacht werden, z. B. durch Ausfall einer Transistor-Verstärkerstufe.

Bernhard