Moin,
gelegentlich benötige ich für die Arbeit an Röhren-Reparaturgeräten oder für den Test selbst aufgebauter Röhrenschaltungen ein Netzteil mit einstellbarer Anodenspannung. Bislang behalf ich mich mit Spannungsteiler-Widerstandsschaltungen am Ausgang meines vor 40 Jahren aufgebauten Netzteils mit Festspannungs-Ausgängen. Leider nur für Schaltungen mit wenigen mA Stromaufnahme brauchbar.
Auf Dauer soll ein „neues“ Netzgerät her. Meine Vorstellungen: Günstig durch Verwendung von vorhandenem Material. Eine einfache Schaltung soll es sein, gerne mit Röhren.
Ich sichtete Schaltungen von damaligen Industrie-Netzteilen. Die Ausgangsspannung war zwar stabilisiert durch Verwendung von Stabi-Röhren in der Ansteuerung von Pentoden als Längsröhren. Aber die Ausgangsspannung war nur begrenzt einstellbar. Zudem saß davor immer ein fetter Trafo mit Brückengleichrichter und aufwendiger Siebung.
Hin und wieder lese ich in alten Funkschau-Ausgaben, die hier als PDF-Files auf dem Rechner und auf dem Tablet für das Lesen draußen im Garten abgespeichert sind. Da stieß ich in einer Ausgabe aus dem Jahr 1953 auf die nachfolgend aufgeführte Schaltung. Da werden Röhren als gesteuerte Gleichrichter verwendet. Bingo, passt!
Das Material fand ich schnell im Bestand: ein Hammerschlag lackiertes Stahlblechgehäuse eines alten Siemens Messgerätes mit Polklemmen und Blechchassis. Die darin vorhandene Elektrik hatte ich bereits abgeräumt. Die Bohrungen in der Frontplatte konnte ich zum Teil nutzen/umarbeiten, für die Messinstrumente erstellte ich neue Durchbrüche.
Der Trafo stammt aus einem Philips Uranus 54 mit Anodenspannungswicklung mit Mittelanzapfung. In der Originalschaltung hingen da 2x EZ80 dran. Die Heizwicklung versorgt die Anzeigelampe und wird zu den Ausgangsklemmen geführt. Der Trafo wurde auf 245V primär geschaltet.
Als Röhren wählte ich 2x EL86. Als Diode eine 1N4007, als Drossel eine Siebdrossel aus einem vor vielen Jahren zerlegten Saba Fernseher, gemessen mit 6 Henry. Schalter, Sicherungshalter für die Frontblenden-Montage, Lötleisten, Elkos, Widerstände, Schrauben, Distanzhülsen und alles Kleinmaterial war im Bestand. Die beiden Messinstrumente fand ich günstig bei dem Elektronik-Versand mit dem P als ersten Buchstaben im Firmennamen.
Als Heiztrafo für die beiden EL86 dient der Trafo aus hier bereits vorgestellten Graetz Komtess 214. Da der Trafo keine 240V Primärwicklung hat, habe ich diesen an die 220V-Wicklung des Philips-Trafos geschaltet. Über zwei Symmetrier-Widerstände habe ich die Heizwicklung an die Katoden der EL86 gelegt, weil die EL86 eine maximale Spannungsdifferenz von 100V zwischen Katode und Heizung zulässt. Das Schirmgitter habe ich mit der Anode verschaltet, das Bremsgitter ist intern mit der Katode verbunden.
In das Chassis schnitt ich einen rechteckigen Ausschnitt, um nach der Montage der Trafos und der Lötleisten die vorhandenen Röhrenfassungen am Trafo neu verschalten zu können. Zudem soll der Ausschnitt die Luftzirkulation zur Wärmeabfuhr ermöglichen.
In den Zuleitungen zu den Röhren-Anoden legte ich Schutzwiderstände mit 100Ohm 5W. Ein 500k-Poti hatte ich nicht, ich setzte ein 1M-Poti ein. Als Elkos setzte ich radiale Elkos 22µF 450V ein, die ich vor Jahren als Posten günstig bekam. Vor der Ausgangs-Polklemme schaltete ich eine Feinsicherung 200mA.
Die Elkos und Widerstände wurden auf die Lötleisten gesetzt und alles wurde mit Litze verschaltet. Die Front-Beschriftung fehlt noch auf den Fotos. Gleich der erste Probelauf war erfolgreich. Die Brummspannung ist sehr gering, die Ausgangsspannung ist von ca. 50V bis 300V einstellbar. Ab einer Stromentnahme von ca. 50mA sinkt die anliegende Spannung ab. Das Netzteil hat ja keine Regelung. Ob ich die Schutzwiderstände vor den Röhrenanoden verkleinere, werde ich später bei der Anwendung an Reparaturgeräten ausprobieren.
Mein Fazit: ein praktisches Gerät für die Werkstatt, günstig aus vorhandenem Material aufgebaut. Und ich kann den Röhren bei der Arbeit zusehen…
Foto 01: Prinzip-Schaltbild aus der Funkschau
Foto 02: Blechteile für den Einbau vorbereitet
Foto 03: bestücktes Chassis Rückansicht
Foto 04: bestücktes Chassis Unteransicht
Foto 05: Betrieb eines Multivibrators, bestückt mit ECC81
Viele Grüße
andreas
regelbares netzteil für anodenspannung aus bestands-material gebaut
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andreas1962
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