philips ukw vorsatz-empfänger

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andreas1962
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philips ukw vorsatz-empfänger

Beitrag von andreas1962 »

Moin,

hier beschreibe ich die Reparatur eines Philips UKW Vorsatz-Empfängers (UKW-Tuner). Den Empfänger fand ich vor 4 Jahren auf der Kleinanzeigen-Plattform. Die Fotos des Anbieters machten mich neugierig. Ein UKW-Empfänger im Gehäuse einer Philettina BX190U? Noch nie gesehen, noch nie in Katalogen, Listen usw. gefunden. Der Anbieter schickte mir das Gerät zu.

Der Anlieferzustand:
Das Gehäuse war mal irgendwann durch Sturz beschädigt worden. Es wurde nicht besonders gut verklebt, ein Stück der Seitenwand hinten rechts fehlte. Die Netzzuleitung war an einer Stelle eingeschnitten, an einer anderen Stelle angeschmort. Die Litzen lagen dort jeweils frei. Das Skalenseil hing unter der Plexiglas-Skala hervor. Anstatt mit Sender-Namen (wie Philettina BX190U) war die Skalenscheibe mit vertikalen Linien und Zahlen von 1 bis 10 vertieft bedruckt.

Aufschrift von Hand auf der Rückwand: only 110 Volts d.c. or a.c. Ansonsten keine Typenbezeichnung. Das Chassis und das Gehäuse-Innere waren mit Nikotin durchsetztem Staub belegt. Das Abschirmgeflecht der NF-Ableitung und dessen Isolierung lag frei, die Isolierung der Bananenstecker war eingerissen.

Vor einigen Wochen zog ich das Alu-Chassis heraus, entnahm die Röhren 3x UF42, UB41 und UY41 und den Sieb-/Lade-Elko, baute den aus Alu gefertigten Kamin über der Fassung der UY41 ab und reinigte das Chassis gründlich. Hier zeigte sich, dass alle Bohrungen in dem Chassis von Hand geführt wurden, bei einigen Bohrungen waren die Anriss-Linien zu erkennen. Die Röhrenfassungen, der Kamin, der Sicherungshalter, der Schmetterlingsdrehko, der Netzschalter waren mit M3 Schrauben befestigt. Aber in verschiedenen Ausführungen. In Messing, in Stahl, als Rundkopf, als Flachkopf, als Linsen-Senkkopfschrauben und die Muttern waren auch aus Messing oder Stahl.

Eine Industriemäßige Ausführung ist das nicht. Ich stufe das Gerät als Mustergerät oder als Arbeit einer Philips-Lehrlingsklasse ein. Doch die Skalenscheibe ist professionell ausgeführt worden und die Lautsprecheröffnung wurde von innen mit einer sauber angefertigten Pertinaxscheibe verschlossen. Auch die Ausführung der Betriebs-Anzeige im Gehäuse mit dem eingearbeiteten Messing-Gewinde und dem in einer Messinggewindehülse eingelegten und eingepressten Philips-Logo war aufwendig erstellt worden. Die o.a. Philettina wurde von 1949 bis 1950 gebaut, dieser UKW-Vorsatz-Empfänger wird also genauso alt sein, die verbauten Röhren standen ab 1949 zur Verfügung.

Da das Gerät als Allstromgerät ausgeführt wurde, baute ich einen kleinen Hotel-Badezimmer-Trenntrafo für 115V/230V 20VA in ein weißes Kunststoffgehäuse ein, schloß eine 3-adrige Litze mit Stecker-Schalter an. Der Trafo-Kern wurde wie vom Hersteller vorgesehen mit dem Schutzleiter verbunden. Die Ausgänge sind Potenzialfrei.

Foto 01: Frontseite Anlieferzustand
Foto 02: Rückseite Anlieferzustand
Foto 03: Chassis mit Nikotin-Staubschicht bezogen
Foto 04: Bauteile unterhalb des Chassis
Foto 05: angefertigter Klein-Trenntrafo für den späteren Betrieb


Fortsetzung folgt.


Viele Grüße



andreas
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andreas1962
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Re: philips ukw vorsatz-empfänger

Beitrag von andreas1962 »

Moin,

die Kontaktstifte der Röhren wurden gereinigt und die Röhren auf dem Funke W19S geprüft. Sie zeigten brauchbare bis gute Emission. Der Philips Lade-Siebelko wies einen etwas hohen Leckstrom auf. Da ich den originalen Elko weiter verwenden möchte, habe ich diesen mehrfach formiert, bis der Leckstrom auf akzeptable Werte zurück ging.

Auch der originale Netzstecker, der nicht die heutigen Standard Schuko Steckdosen passt, wird weiter verwendet. Die Netzzuleitung kürzte ich um die Fehlstellen und schloß sie neu an. Die Doppellitze wurde an der Durchführung am Netzstecker und an der Klemmstelle der Zugentlastung am Chassis mit Schrumpfschlauch überzogen. Auch die NF-Ableitung wurde neu angeschlossen und an den Enden jeweils mit Schrumpfschlauch gesichert. Den originalen 47nF Abblockkondensator, der von der Ausgangsseite des NF-Übertragers auf das Chassis führte, habe ich entfernt.

Der Sicherungshalter wurde gereinigt und es wurden 2x neue Sicherungen eingesetzt. Als Originalwert fand ich hier 800mAT in einem der beiden Halter Ich wählte 400mAT, weil kein Heißleiter im Heizkreis der Röhren verbaut wurde. Alle Röhrenheizfadenspannungen nach Röhrendatentabelle addiert ergeben eine Gesamtheizspannung von 113V. Als Betriebsanzeige wurde eine Glimmlampe verwendet. Diese wurde über einen 20kOhm Widerstand an die Betriebsspannung geschaltet. Die Glimmlampe war nun defekt, ich tauschte sie gegen eine Einlöt-Glimmlampe aus meinem Bestand.

Die restlichen 3x Papierwickelkondensatoren wurden erneuert. Hier verwendete ich axiale Kondensatoren. Diese wurde noch mit Schrumpfschlauch überzogen. Die Widerstände checkte ich mit dem Multimeter, ein Widerstand war defekt. Ein anderer defekter Widerstand fand sich später bei der Fehlersuche in einem verklebten Rüsch-Schlauch.

Die Reinigung war etwas aufwändig, ich verbrauchte viele Wattestäbchen und einige Putztücher um den Nikotinbelag zu entfernen. Auch das Gehäuse, die Bedienknöpfe und die Skalenscheibe wurden gründlich gereinigt. Die Fehlstellen im Gehäuse werde ich später ausbessern, vielleicht mit eingefärbtem Gießharz.

Erster Probelauf am Trenn-Kleintrafo: UKW-Oszillator arbeitet, aber keine NF-Ausgabe. Die Fehlersuche förderte den gut „getarnten“ defekten Widerstand in der G2-Zuleitung der letzten UF42 Zutage. Zweiter Probelauf: Empfang der WDR-Sender Teutoburger Wald mit einer kurzen Meßleitung als Antenne. Der Schmetterlingsdrehko muß prinzipbedingt feinfühlig eingestellt werden. Mit meinem Messsender überprüfte ich den Empfangsbereich. Nach einer kleinen Korrektur an dem über dem Schmetterlingsdrehko stehendem Philips-Trimmer reicht dieser von 87,5 Mhz bis 102 Mhz.
Leistungsaufnahme 15 Watt an 109V Wechselspannung, Anodengleichspannung 123 V

Die Empfindlichkeit lässt sich bestimmt durch weiteres Trimmen an den ZF-Filtern steigern. Ich belasse es erstmal so. Denn hier sind die Spulenkörper mit Wachs vollgegessen, mehr als sonst üblich. Zudem hatte ich bei diesen Filtertypen mehrmals mit abgefallenen Kernen zu tun gehabt. Zur Reparatur musste das jeweilige Filter abgelötet, ausgebaut und zerlegt werden. Danach kam erst die eigentliche Aktion: das Neuverkleben des Kernes an die Spindel. Philips verwendete ein dünnes Klebeband ähnlich wie Tesafilm. Ich rauhte die Kontaktflächen an der Spindel und am Kern auf und fügte diese mit einem Tropfen 2K-Kleber zusammen. Das alles musste ausgerichtet in einer Flucht durchgeführt werden. Hat nicht immer funktioniert. Da war es manchmal einfacher, ein komplettes Filter aus einem Schlachtgerät zu nehmen.

Die Schaltung werde ich später herauszeichnen und die einzelnen Spannungen aufnehmen. Mich interessiert der NF-Demodulator mit der EB41. Ich fand keinen Ratio-Elko. Für eine Flankengleichrichtung hört sich die NF zu „sauber“ an.
Auch erhoffe ich mir Hinweise für die Tuner-Reparatur an meinem Philips BD700A, den ich hier mal vorstellte. Da komme ich trotz mehrfachen Bauteiletausch, zusätzlichen Abblockkondensatoren und dem Einkapseln des UKW-Tuners mit Dachdecker-Kupfer-Abschnitten nicht wirklich weiter.


Foto 06: teildemontiertes Chassis gereinigt
Foto 07: komplettiertes Chassis mit neu abgesetzten Leitungen
Foto 08: Blick unter das Chassis nach der Reparatur
Foto 09: Probelauf Chassis
Foto 10: von Glimmlampe beleuchtetes Philips-Logo
Foto 11: Jagdstrecke
Foto 12: Gehäuse, Skala, Bedienknöpfe, Linse mit Logo gereinigt
Foto 13: Gehäuse Innenseite


Viele Grüße


andreas
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Re: philips ukw vorsatz-empfänger

Beitrag von andreas1962 »

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