Netzkabel und Stecker

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achim1
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Netzkabel und Stecker

Beitrag von achim1 »

Mal eine Frage an die Gemeinde. Welche Netzkabel und Netzstecker benutzt ihr für die typischen 50er Jahre Geräte?
Serienmäßig ist mir bislang kein Gerät untergekommen das nicht diese typische Zwillingslitze ohne gemeinsamen Mantel besessen hätte. Da ich großen Wert auf Authentizität lege, verwende ich auch ausschließlich diese Leitungen. Nun ist aber die Frage, welche Kabel hier eine Zulassung für "leichte, nicht ortsgebundene Geräte" haben. Im Internet stößt man auf Widersprüche und auch KI gibt sich widersprechende Auskünfte.
Meines Wissens besitzen Kabel mit der Bezeichnung XYFAZ, NYFAZ und H03VVH2-F die Zulassung für schutzisolierte Geräte, ganz sicher bin ich mir aber nicht. Dazu kommt die Frage ob "Lautsprecherkabel" diese Voraussetzungen auch erfüllen. Teilweise sind sie mit einer der drei oben genannten Bezeichnungen deklariert, andererseits wird der Gebrauch mit Netzspannung explizit ausgeschlossen- was sich dann widersprechen würde.

Die zweite Frage ist die nach dem zu verwendenden Netzstecker.
Der 2 polige Eurostecker wäre im Grunde adäquat, scheidet aber natürlich aus da nicht authentisch. An den meisten Radios ist im Fundzustand irgendeine Art von Schukostecker montiert, häufig ohne den Schutzkontakt. Wie wurden diese Geräte damals ausgeliefert?

Viele Grüße,
Achim
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Peter2K
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Re: Netzkabel und Stecker

Beitrag von Peter2K »

Hallo,

ich kann Dir nur die letzte Frage beantworten, ähm teilweise. Im Standardfall bekomme ich auch Geräte immer mit diesen alten Schukostecker. Aber ich hatte einmal ein Rositachassis erhalten, da war ein angegossener Stecker dran, genau in dieser typisch braunen Farbe. Er ähnelte stark den heutigen 2 poligen Stecker für Geräte über 2A Verbrauch, z.B. ein Fön.

Gruß,
Peter
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holger66
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Re: Netzkabel und Stecker

Beitrag von holger66 »

Hallo Peter,

ich stehe da eher auf der sicheren Seite. Bei Geräten, die ich behalte, lasse ich das alte Netzkabel auch mal dran, solange es nicht komplett "storkig" und verhärtet ist, manche bröseln ja fast schon. Saba baute erfahrungsgemäß bessere Kabel ein, die fast immer noch flexibel sind, solche von Grundig kann man teilweise aufrecht vor die Wand stellen, ohne daß sie zusammensacken.

Bei abzugebenden Geräten montiere ich mittlerweile grundsätzlich neue Netzkabel und bediene mich dabei eines preiswerten Reichelt-Artikels:

https://www.reichelt.de/de/de/shop/prod ... ende-13479

Die kaufe ich zu 10 Stück ein und wenn sie wieder alle sind, wird neu bestellt. Zwillingslitze ohne doppelte Isolation gebe ich nicht mehr heraus.

Etwas näher kommt dem Original dann dieser Artikel:

https://www.reichelt.de/de/de/shop/prod ... raun-24213

Da kommt dann ein passender brauner Netzstecker aus moderner Fertigung dran. Das mache ich, wenn es gewünscht wird.

Viele Grüße
Holger
UKW: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.....
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Re: Netzkabel und Stecker

Beitrag von röhrenradiofreak »

Die Radios der späten 50er und 60er Jahre hatten als Netzkabel meist eine Zwillingslitze, wie man sie heute nur noch als Lautsprecherkabel u.ä. benutzen würde. Heute ist eine doppelte Isolation vorgeschrieben. Als Ersatz eignet sich z.B. die H03VV-F Leitung, die Holger verlinkt hat.

Der Netzstecler war oft angegossen. In den 50er Jahren passten die Netzstecker oft nur für die alten Steckdosen ohne Schutzkontakt. Sie wurden in den 60er/70er Jahren oft durch Schukostecker ersetzt. Das war zwar zumindest zeitweise nicht zulässig, aber Euro-Flachstecker gab es damals noch nicht. Mitunter wurden die alten Stecker aber auch mehr oder weniger fachmännisch so zurechtgeschnitten, dass sie in Schukosteckdosen passen.

Wenn solche Netzkabel beschädigt waren, habe ich früher gut erhaltene Netzkabel von ausgeschlachteten Fernsehern der 60er/70er Jahre verwendet, die je nach Hersteller oft identisch waren. Heute nicht mehr, weil mein Vorrat erschöpft ist und weil diese Kabel inzwischen auch 50-60 Jahre alt sind.

Bis in die frühen 50er Jahre hatten viele Radios ein stoffummanteltes Netzkabel. Optisch passende Kabel werden heute für Tisch- und Stehlampen u.ä. angeboten. Meist dreiadrig, den Schutzleiter lässt man dann frei. Ein Schukostecker ist natürlich ein Stilbruch, aber man findet manchmal braune oder schwarze Schukostecker, die sich auf den ersten Blick nicht so sehr von den alten Steckern unterscheiden.

Lutz
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Re: Netzkabel und Stecker

Beitrag von Bernhard W »

Im 230-V-Netz können Überspannungen auftreten und die Isolation der Adern muss ausreichend dick und robust sein für die vorgesehene Verwendung.

Radios (üblicherweise Geräte mit Netzstecker) müssen für Überspannungskategorie II ausgelegt sein, d. h. Prüfspannung mindestens
Impuls-Scheitelwert: 2,5 kV oder ACeff 2 kV und weitere Anforderungen. Lautsprecherleitungen sind nicht geeignet.

Der Mindestquerschnitt beträgt 0,75 mm².
Die beiden von Holger vorgeschlagenen Leitungen sind als Anschlussleitung sehr gut geeignet.

Zum Konturenstecker gibt Wikipedia einige Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Konturenstecker

Bernhard
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Re: Netzkabel und Stecker

Beitrag von countryman »

Naja, was da bei Wiki als Konturenstecker steht ist mehr ein Stilbruch als ein mit etwas Suchen heute erhältlicher Schukostecker aus Duroplast. Original gab es wohl meist sowas wie das hier: https://www.plugsocketmuseum.nl/ContEUR_part2.html
entweder in der runden Form oder abgeflacht. Beide passen nicht in Schukodosen, und wurden daher oft zeitgenössisch getauscht als die Wohnungen modernisiert wurden.
Einfach isolierte Zwillingslitze gibt es heute nur noch für Kleinspannung - dieses Material wäre mir nicht geheuer, da eben nicht im Hinblick auf Netzspannung gemacht. Wo historisch vorhanden und noch voll in Ordnung, bleiben die Zwillinge bei mir dran denn sie wurden für den Zweck gefertigt und sind geeignet. Stoffummantelte Kabel kamen zumindest bei Nachkriegsradios nicht zur Verwendung. Wenn Ersatz fällig wird, wäre zweiadrige Schlauchleitung am nächsten dran.
IMG_20240525_184036_517.jpg
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achim1
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Re: Netzkabel und Stecker

Beitrag von achim1 »

Vielen Dank für die Antworten.
Die originale Zwillingslitze für Netzspannung gibt es ja noch, mitunter sogar noch in braun. Ich wechsle die grundsätzlich aus.
Kabelexpress Zwillingsleitung H03VH-H 2 x 0,75mm² 25m-Ring, weiß | 535399 https://share.google/C68Gb8GPCXQ7n7SPm

Bei den Steckern sind sie Geräte dann vermutlich alle mal auf Schuko umgerüstet worden, wobei das dann ja auch regelwidrig war, da es ja keinen Schutzleiter gab, ein solcher aber durch den Stecker vorgetäuscht wurde. Ich sammle alte Schuko- Bakelitstecker und verwende die. Nach Reinigung und Politur sehen die noch am besten aus.
Ich gebe grundsätzlich keine Geräte mehr weiter die ich restauriert habe. Alles was ich da mache ist unzulässig. Das Tarnen der Kondensatoren, das Wiederbefüllen der Becherelkos ect. Vernutlich auch das bleihaltige Lot. Ich mag es halt einfach wenn die Geräte original aussehen, sie müssen nicht mit Originalteilen aufgebaut sein.
Ein Tefifon KC1 ist noch nicht mal schutzisoliert. Sollte da mal sich das Kabel vom Netzschalter lösen kriegt es direkt Kontakt zum Gehäuse. Solche Geräte geb ich nicht aus der Hand wenn ich erst mal was dran genacht habe.

Gruß,
Achim