Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Fragen, Berichte und Tipps zu Reparatur und Technik für frühe Transistorgeräte bis in die 1970er Jahre.
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countryman
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Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Beitrag von countryman »

Ich habe hier ein klassisches Braunschweig 7.639.660 Autoradio, produziert ca.1970 für VW und in einem solchen verwendet. Nach längeren Standzeiten spielt das Radio nicht. AM und FM bleiben völlig stumm, auch kein Rauschen. Wenn man es etwas eingeschaltet lässt, ist es plötzlich da. Leider werden diese Zeiten immer länger :(
Geöffnet am Netzteil dasselbe Bild. Mechanische Einflüsse scheint es nicht zu geben, wenn das Radio läuft lässt sich der Fehler nicht mehr reproduzieren. Ich dachte an einen Elko der sich neu formieren muss, nur welcher könnte es sein? Es gibt einige Tantalperlen die ja als anfällig für Kurzschlüsse gelten. Nur, "reparieren" die sich durch Abwarten? C40 - 41 - 42 sind das wohl aber alle habe ich noch nicht sicher identifiziert. Die Stromaufnahme ist bei Auftreten des Fehlers eher niedriger als nachher. Beim schalten der Stationstasten höre ich leise Schaltgeräusche im Lautsprecher, beim Drehen des Lautstärke-Potis ganz leise Schleifergeräusche auch im Fehlerfall, der NF Teil scheint mir daher OK?
Wie gesagt, wenn es einmal spielt klappt wieder alles problemlos für einige Tage, daher wohl auch kein Fehler beim Wellenschalter.
Ich versuche den Original Schaltplan anzufügen (im Gerät beigelegt!).
Ideen sind gerne gesehen - ich will da möglichst wenig experimentieren da die Montage schon nicht ganz einfach ist. Erfahrene Unterstützung wäre gern gesehen wenn ich nicht weiterkomme...
Blaupunkt Braunschweig_2200x2200_600KB.jpg
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Re: Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Beitrag von röhrenradiofreak »

Das ist richtig, die Tantalelkos zählen zu den Hauptverdächtigen. Aber vor dem planlosen Austauschen würde ich versuchen, den Fehler einzugrenzen. Wenn die Zeit, bis das Radio anfängt zu spielen, lang genug für ein paar Messungen ist, würde ich wie folgt vorgehen:

Brückenstecker an der DIN-Buchse abziehen und Brummprobe an Stift 2 machen.
Wenn es brummt, liegt der Fehler im Empfangsteil, wenn nicht, liegt er im Verstärkerteil.
Spannungsmessungen dort wären der nächste Schritt.

Dass der Fehler nach einiger Betriebszeit verschwindet und es dann Tage dauert, bis er wieder auftaucht, ist natürlich lästig. Deshalb würde ich jeweils die nächste Messung vorbereiten und das Radio dann nur kurz einschalten.

Lutz
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paulchen
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Re: Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Beitrag von paulchen »

Und da Du ja den Brückenstecker bei BP hast, ist hier auch eine Trennung HF-NF gegeben.
Daher würde ich mir ein Kabel basteln, wo man auch die HF in einen anderen Verstärker einspeisen kann, um zu schauen, ob der Effekt dann auch auftritt. Ebenso könnte man dann in die NF-Baugruppe ein Signal getrennt von der HF einspeisen mit dem gleichen Ziel.
So lassen sich die die jeweiligen Zweige erstmal problemlos testen.

Sollte es problemlos möglich sein den R20 hoch zu löten, würde ich die Speisespannung getrennt zuführen. Dann kannst Du das HF und NF Teil unabhängig voneinander anschauen. Spannungszuführung 9V dann hinter R20 für das HF-Teil.

Und wie Lutz schon sagt - vorher alles genau vorbereiten, damit die Wartezeiten auf den Fehler nicht zu lang werden.

paulchen
Bernhard W
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Re: Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Beitrag von Bernhard W »

countryman hat geschrieben: Mo Sep 21, 2026 21:06 ... Die Stromaufnahme ist bei Auftreten des Fehlers eher niedriger als nachher. Beim schalten der Stationstasten höre ich leise Schaltgeräusche im Lautsprecher, beim Drehen des Lautstärke-Potis ganz leise Schleifergeräusche auch im Fehlerfall, der NF Teil scheint mir daher OK?...
Kann ich so erstmal nicht erklären.

Der Tuner wird versorgt über R20 (110 Ω; 1 W) und die Z-Diode X4 (ZD9,1 von ITT) klemmt die Spannung auf 9,1 V.
Wenn im Tuner-Teil irgendetwas weniger Strom aufnimmt, ändert das an der Gesamtstromaufnahme nichts.
Nur wenn die Klemmspannung von X4 steigt, oder der Widerstand von R20 steigt, sinkt die Stromaufnahme des Tuners. Beides schätze ich als gering wahrscheinlich ein.

Zu geringerer Stromaufnahme führt jedoch Leckstrom durch C54 (10 µF). 0,2 mA (Formierungsstrom) führt bereits zum kompletten Ausfall des NF-Verstärkers bei gleichzeitig geringerer Stromaufnahme des NF-Verstärkers.
Erhöhter Leckstrom durch C55 (250 µF) und C57 (500 µF) führt auch zum Ausfall des NF-Verstärkers, jedoch mit erhöhter Stromaufnahme. Dabei läuft die Mittenspannung von 7 V hoch gegen 13 V. Das scheint hier aber nicht der Fall zu sein.

Ich würde folgende Spannungen messen und beobachten, ob die nach dem Einschalten schnell auf den Endwert steigen:

Spannung an X4 (ZD9,1) - Sollwert: 9,1 V; Anstiegszeit: < 0,1 s
Spannung an C54 (10 µF) - Sollwert: 12,4 V; Anstiegszeit: ca. 1 s

Die Spannung an C54 habe ich nachgerechnet: Die Angabe im Schaltplan "10 V" für C54 ist ein Fehler. Entweder im Schaltplan falsch eingetragen oder gar ein Designfehler.

Bernhard
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röhrenradiofreak
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Re: Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Beitrag von röhrenradiofreak »

C54 ist ein heißer Tipp, denn er verursacht genau dieses Fehlerbild. Den würde ich als erstes erneuern oder notfalls testweise hochlöten. Mit mäßiger Lautstärke dürfte das Radio auch ohne ihn spielen.
countryman hat geschrieben: Mo Sep 21, 2026 21:06Beim schalten der Stationstasten höre ich leise Schaltgeräusche im Lautsprecher, beim Drehen des Lautstärke-Potis ganz leise Schleifergeräusche auch im Fehlerfall, der NF Teil scheint mir daher OK?
Folgendes hatte ich vergessen zu erwähnen: Anhand von Störgeräuschen jeglicher Art kann man nicht erkennen, ob ein NF-Verstärker tut, was er soll. Das geht nur mit einem Prüfsignal (Sinus) oder notfalls mit Musik oder Sprache. Darauf bin ich auch schon einmal hereingefallen: Nach der Reparatur einer Endstufe hörte sich das UKW-Rauschen normal an. Die Endstufe hatte aber noch einen Fehler und verzerrte deshalb so stark, dass Sprache nur schwer zu verstehen war.

Lutz
countryman
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Re: Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Beitrag von countryman »

Vielen herzlichen Dank für die Ideen und Erläuterungen! Ich habe mich nochmal mit dem Gerätchen beschäftigt, die Spannungen stimmen soweit, auch beim C54. Die NF tut einwandfrei.
Es ist wohl doch eher ein "Fehler den die Welt nicht braucht". Nochmaliges intensives Abklopfen ließ den Fehler gehen und wieder kommen. Letztendlich habe ich einige Lötpunkte im Bereich des UKW Tuners nachgelötet, wo sich die intensivste Reaktion zeigte. Nichts sah dort verdächtig aus und womöglich hat nur der Wärmeeinfluss vorübergehend geholfen. Man wird sehen.
Erst jetzt ist mir auch bewusst geworden dass ich das Gerät vor rund 30 oder mehr Jahren defekt erhalten und schon mal in Arbeit hatte: Das Widerstandsnetzwerk F1/6 war zerstört, weil jemand die Mutter der Befestigungsschraube hinten gelöst und selbige ins Gerät gestaucht hatte. Damals hatte ich dieses Netzwerk nachgebaut und so schön isoliert, dass ich die alte Reparatur erst gar nicht bemerkt hatte. Natürlich habe ich heute zuerst den Bereich abgesucht, aber dort war nix...

Das Radio war danach wohl einige Jahre auf einem Trecker in Verwendung, bevor es ca. 2001 in den Käfer wanderte...

Achso, die Spannung an Tantal-Elko C40 stimmt auch (6,7V). Über C41 messe ich allerdings nur minimale 0,05 V, er steht wohl in Zusammenhang mit der AGC Spannung? C42 ist denke ich der Ratio-Elko?
Bernhard W
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Re: Autoradio Braunschweig 7.639.660 (VW)

Beitrag von Bernhard W »

countryman hat geschrieben: Di Sep 22, 2026 21:24 ... Über C41 messe ich allerdings nur minimale 0,05 V, er steht wohl in Zusammenhang mit der AGC Spannung? C42 ist denke ich der Ratio-Elko?
Zwei mal "Ja".

Die Spannung an C41 wird erzeugt vom AM-Hüllkurven-Demodulator (C88, X80, X81, C89). Sie steigt beim Empfang starker AM-Sender und reduziert dann die Basis-Emitter-Spannung von V3. Dadurch sinkt der Ruhestrom von V3 und damit auch dessen Verstärkung. So wird verhindert, dass V80 übersteuert wird.

Bei FM arbeitet der ZF-Verstärker stets mit maximaler Verstärkung. Da nur die Frequenzabweichung Spannung am Ratiodetektor erzeugt, ist Übersteuerung der Transistoren und damit (nichtlineare) Begrenzung der Amplitude kein Problem.

Bernhard