nordmende othello 58

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andreas1962
Transmare
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nordmende othello 58

Beitrag von andreas1962 »

Moin,
hier beschreibe ich kurz die Reparatur eines Kunden-Radios Nordmende Othello 58.

Anlieferzustand:
Gehäuse mit Nikotinbelag, dicke Staubschicht im Geräteinneren aber ohne Nikotinniederschlag. Gehäusefüsse fehlen. Netzsicherung durchgeschlagen. ECC85, ECH81, 2x EF89, EABC80, ECC82, 2x EL84 haben brauchbare bis gute Emission. Die EM35 ist taub. Einige der Röhren und zwei Kondensatoren wurden bereits irgendwann erneuert. Der Dreifach-Elko war ausgelaufen. Die Skalenlampen waren durchgebrannt.

Die Reparatur:
Chassis ausgebaut, gereinigt. Bedienknöpfe, Skala abgebaut, gereinigt, Bedienknöpfe auf der Drehbank poliert. Alle Papierwickelkondensatoren und Klein-Elkos erneuert. Befestigungs-Gewinde mit Halteteller aus dem defekten Dreifach-Elko abgebaut. Aus dem Halteteller eine neue Halterung für einen Elko-Becher mit Schränklappenbefestigung aus meinem Fundus angefertigt.

Den Selengleichrichter ausgebaut. Auf die Lötnieten am Netztrafo einen Silizium-Brückengleichrichter mit Parallelkondensatoren gesetzt. Einen 15R 5W-Zementwiderstand mit Halter an der Stelle des ausgebauten Selengleichrichters gesetzt. Als Wert für die neuen Skalenlampen wählte ich 7V 0,1A.
Für den Netztrafo selbst fertigte ich aus einer M3-Messingstange eine neue Verschraubung für einen herausgesprungenen Kern-Halteniet an.

Das festsitzende Höhen-Einstellpoti wurde mehrmals mit dem Heißluftföhn erwärmt und die Achse dabei jeweils mit Feinöl beträufelt. Nach der 4. Runde ließ sich das Poti auch im kalten Zustand leicht drehen.

Die neuen Elkos wurden formiert und das Radiochassis in der bekannten Weise „hochgefahren“. Am Ende stellten sich bei 230V Netzspannung und Spannungswähler-Position auf 240V diese Werte ein:
Heizspannung 6,3V, Anodenspannung 285V, Leistungsaufnahme 65W.

Als Ersatz für die taube EM35 nahm ich eine 6E5S. Ich baute dafür eine neue Halterung aus einem Alu-Blechstreifen, bohrte eine Aussparung für die Aufnahme der Oktal-Fassung hinein. Der Alu-Blechstreifen wurde abgewinkelt und noch Befestigungsbohrungen für die Anbringung auf dem Chassis erstellt. In die Anodenspannungsversorgung legte ich noch einen 47k-Widerstand.

Die Abstimm-Mechanik wurde mit ein wenig Feinöl eingeölt, der krachende LMK-Drehko wurde gereinigt, die Kontaktsätze der Tastenschieber wurden mit T6 behandelt. Bislang musste ich bei jedem Nordmende-Röhrenradio die Kontaktsätze mehrmals reinigen, so auch hier.

Die gereinigte Skalenscheibe und die gereinigten/polierten Bedienknöpfe wurden angebracht und die Halterung mit dem magischen Auge genau hinter dem Skalenscheiben-Fenster justiert.

Das Gehäuse hatte ich mittlerweile gereinigt und neue Füße angebracht. Diese bestehen aus kleinen runden Holzscheiben mit aufgeklebten Filzschonern. Den Tastensatz des Klangregisters hatte ich vor dem Wiedereinbau gereinigt. Die Lautsprecher im Gehäuse waren i.O.

Ich setzte das Chassis ein, das Klangregister, die Lautsprecher und die Innendipol-Antenne wurden für kurzen Probelauf angeschlossen. Nach Einbau der Rückwand und der Bodenplatten wurde noch ein Check nach VDE701 durchgeführt. Zum Abschluß erfolgte ein längerer Probelauf.

Aufgefallen: bei dieser Reparatur war kein Abgleich erforderlich. Das Triodensystem der ECH81 war nicht wie erwartet taub. Der Empfang auf LMK ist entsprechend gut, der Langwellenbereich reicht sogar bis zum Empfang der Bake des naheliegenden Flughafens. Der Nordmende ist aufgrund der zwei ZF-Pentoden sehr empfindlich und die 4x Lautsprecher an der Gegentaktendstufe sorgen für einen guten Klang.

Bilder:
01 Anlieferzustand
02 Rückwand abgenommen
03 Anfertigung der neuen Elko-Halterung aus der alten Elko-Befestigung
04 Probelauf, Chassis mit neuem Doppel-Elko und neuer Halterung für die 6E5S
05 Radio in Betrieb mit davorliegender „Jagdstrecke“


Viele Grüße



andreas
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Re: nordmende othello 58

Beitrag von Elko »

Schönes Radio.....saubere Arbeit :super:
Was ich bei deinen Ausführungen vermisse, ist die Anpassung der Russen-Röhre durch einen Spannungsteiler, der die Gitterspannung herabsetzt.
Magische Augen wie die EM34/35 benötigen -16 V zur Vollaussteuerung, während die 6E5C/S nur -8 V benötigt.
D.h., die Russin ist ohne diesen Spannungsteiler bereits bei mittleren Signalen voll ausgesteuert.
Und noch eine klitzekleine Kritik: Den Säulengleichrichter hätte ich als "Deko" dringelassen. Aber, das ist Geschmacksache.
noli turbare circulos meos

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Martin
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Re: nordmende othello 58

Beitrag von röhrenradiofreak »

Gute Arbeit, und das Ergebnis ist, wie Du schon selbst festgestellt hast, ein klanglich und empfangsmäßig sehr leistungsfähiges Radio.

Ich würde auch die Leuchtschirmspannung des magischen Auges durch einen Vorwiderstand um ungefähr 50 V reduzieren, dann hält sie länger. Denn der Leuchtschirm dieser magischen Augen verschleißt schnell.

Lutz