Restaurierung eines Nordmende Othello 55

Fragen, Berichte und Tipps zu Reparatur und Technik.

Für Einsteiger: Erste Inbetriebnahme eines Röhrenradios
Forumsregeln
Regeln
Impressum
det
Philetta
Philetta
Beiträge: 2
Registriert: Mi Apr 15, 2026 19:52
Kenntnisstand: Grundkenntnisse (ohmische Gesetz etc.)

Restaurierung eines Nordmende Othello 55

Beitrag von det »

Hallo Röhrenradiofreunde,

ich habe vor ein paar Wochen ein Nordmende Othello 55 vor der sicheren "Elektrotonne" gerettet und habe jetzt damit begonnen,
das Teil wieder herzurichten. Das langfristige Ziel ist eigentlich die "Wiederbelebung".
Jetzt habe ich zu meinem Entsetzen festgestellt, daß das Skalenseil für FM gerissen ist und irgendwie im Gehäuse herumhing.
Den Seillaufplan habe ich und auch schon probehalber ein neues Seil aufgelegt. Allerdings lag auch der Anzeiger für FM lose
herum und ich kann mir keinen Reim darauf machen, wie dieses Teil am Seil befestigt wird. Ich vermute, dieses Befestigungsteil
(siehe Schnurlaufplan) ist irgendwie abhanden gekommen. Hat jemand vielleicht auch ein solches Radio und kann mal eine gute Detailaufnahme
von dieser Befestigung einstellen. Vielleicht kann man dann so ein Befestigungsmittel selbst "nachbauen" oder sich eine Alternative ausdenken.
Ich habe mal Fotos von dem Anzeiger beigefügt.
Mein zweites Problem ist eine Spule unterhalb des Tastenaggregats. (Siehe Foto) Diese Spule hing so lose ohne "Innenleben" herum und
verschiedene Wicklungen hingen schon in der Luft. An der Stelle, wo sie mal gesessen hat, ist nur ein Loch zu sehen mit den Spuren einer
früheren Befestigung. Ich denke aber, diese Spule ist nicht unbedingt für UKW-Empfang notwendig, da sie in dem Bereich des Umschalters
für MW bzw. LW hing. Oder irre ich mich da ?
Beigefügt zu Beginn auch zwei Fotos von dem "Patienten".
Ich habe auch den Original-Schaltplan von dem Teil, aber der ist so nachgedunkelt, daß ich lieber den vom Radiomuseum einstellen würde.
Ist das hier im Forum erlaubt oder gibt es da Urheberrechtsprobleme ?
In der Hoffnung auf rege Teilnahme und problemlösende Anworten grüßt euch

Wilfried
Sie haben keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
andreas1962
Transmare
Transmare
Beiträge: 722
Registriert: Fr Dez 05, 2014 21:01
Kenntnisstand: Elektrotechnischer Beruf/ Studium
Wohnort: Salzkotten

Re: Restaurierung eines Nordmende Othello 55

Beitrag von andreas1962 »

Hallo Wilfried,

Herzlich willkommen im DRF. Das Skalenseil wird um den abgebogenen Teil des Zeigers "geschlängelt". Zeige ich Dir später an einem Bild, mache gerade Pause bei der Gartenarbeit.

Das Schaltbild sollte bei Elektrotanya abrufbar sein.

Typisch in Nordmende Radios: abgesprunge Nieten am Netztrafo, Widerstand und Koppelkondensator in einem Gehäuse, Ero-Papierwickelkondensatoren und weiße Neokondensatoren die auch zu tauschen sind. Der Selengleichrichter ist oft taub.

Pause vorbei. Gleich weiter im Garten arbeiten. Das Bild schiebe ich später nach. Bitte noch das Foto vom Tastensatz einfügen

Viele Grüße

andreas
andreas1962
Transmare
Transmare
Beiträge: 722
Registriert: Fr Dez 05, 2014 21:01
Kenntnisstand: Elektrotechnischer Beruf/ Studium
Wohnort: Salzkotten

Re: Restaurierung eines Nordmende Othello 55

Beitrag von andreas1962 »

Moin Wilfried,

vorhin spannte ich ein Skalenseil mit Zugfeder zwischen zwei Schraubstöcken auf meinem Werktisch und "drehte" den UKW-Skalenzeiger eines Nordmende Othello aus meinem Fundus in das Skalenseil, siehe Bild.

Der Othello hat am Netztrafo die Einstellung 240V. Kannst Du ausprobieren und danach die Wechselspannung an den Skalenlampen messen. Wenn diese zwischen 6,1 und 6,7 Volt liegt, kannst Du diese Einstellung weiter verwenden. Schont den Netztrafo.



Viele Grüße


andreas
Sie haben keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
det
Philetta
Philetta
Beiträge: 2
Registriert: Mi Apr 15, 2026 19:52
Kenntnisstand: Grundkenntnisse (ohmische Gesetz etc.)

Re: Restaurierung eines Nordmende Othello 55

Beitrag von det »

Hallo Andreas,
danke für deine schnelle Antwort und den Tip. Ich denke, so werde ich es dann machen.
Für mich war heute nämlich auch Garten angesagt und da versuche ich immer möglichst gleich alles hinter mich
zu bringen, denn so ein großer "Garten-Freak" bin ich eigentlich nicht.
Eigentlich dachte ich, ich habe das Foto von der Untersicht des Schaltaggregats mitgeschickt, aber anscheinend
waren die 1 MB schon überschritten. Also heute die Nachlieferung.
Das viele Kondensatoren auszutauschen sind habe ich auch schon gesehen. Der Trafo und der Ausgangsübertrager
scheinen aber o.k. zu sein. Zumindest sagen das meine Widerstandsmessungen. Mal sehen, was Gleichrichter und
der 3-fach ELKO sagen. Aber ich bin eh mehr der pragmatische Typ: Dann kommt eben was neues rein, auch wenns
nicht 100%ig alt aussieht. Im Ergebnis soll er später mal spielen.
Wie machst du es denn eigentlich mit dem Gehäuse ? Auf der vorderen Front platzt der Lack einschl. Farbe schon
von allein (bzw. bei leichtem Druck ab). Das Teil stand vermutlich lange Zeit im Keller . Aber auf der Oberseite
ist die Oberfläche noch ziemlich fest und in Ordnung. Da reicht vielleicht sogar schon Politur.

Viele Grüße vom Rhein

Wilfried
Sie haben keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
andreas1962
Transmare
Transmare
Beiträge: 722
Registriert: Fr Dez 05, 2014 21:01
Kenntnisstand: Elektrotechnischer Beruf/ Studium
Wohnort: Salzkotten

Re: Restaurierung eines Nordmende Othello 55

Beitrag von andreas1962 »

Moin Wilfried,

danke für das Foto. Da ist die Spule (Vorkreis oder Oszillatorkreis) für den Langwellenbereich abgerissen. Wenn die Litzenenden noch nicht abgerissen sind, kannst Du den Pertinaxträgerstreifen an der Stelle, an der die Spule sitzen soll, leicht abschmirgeln und mit 2k-Kleber (z.B. Uhu Sofortfest) die Spule wieder ankleben. Sollte einer der Drähte abgerissen sein, kannst Du nach dem Schaltbild und der Positions-Angabe die passende Kontaktfahne heraussuchen. Meist hängt dort noch ein Litzenrest dran.

Zum Verzinnen die Temperatur an der Lötstation etwas höher stellen als zum normalen Löten und mit dem Einsatz von frischem verbleiten Lötzinn das Litzenende verzinnen. Da ist etwas probieren angesagt und es riecht auch ein wenig. Früher wurde die HF-Litze abgekratzt, in Brennspiritus getränkt und mit einer Flamme (Feuerzeug oder Kerze) erhitzt. Das erforderte viel Erfahrung. Und war auch nicht Großserien-Fertigungsgerecht.

Ich habe Gehäuse mit Hartöl überarbeitet. Meine Lackierkünste waren nicht so toll.

Siehe hier: viewtopic.php?t=35038

oder hier: viewtopic.php?t=35045



Viele Grüße


andreas