Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Fragen, Berichte und Tipps zu Reparatur und Technik.

Für Einsteiger: Erste Inbetriebnahme eines Röhrenradios
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holger66
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Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von holger66 »

Hallo Forum,

ja, da steht Concertino 6.5 !

Das Gerät, um das es hier gehen soll, gelangte in meinen Besitz aus der Sammlung, die ich in meinem letzten Thread erwähnt hatte. Ich kaufte es, weil ein Bekannter, der auch ein wenig sammelt, an einem Radio aus dieser Serie und mit dieser Optik Interesse angemeldet hatte. Für 20 Euro erlöste ich es aus dem beschriebenen Sammlungshaus.

Und oh Wunder, es spielt initial noch mit allerdings leicht erhöhnter Stromaufnahme. Also wollte ich mal flott an den Koppelkondensator, um die ärgste Fehlerquelle schon einmal auszuschließen. Chassis ausgebaut und dann sah ich dies hier - die komplette Peripherie der EL84, also Klangregelung und Endstufe incl. der Röhrenfassung sind auf einer Platine von etwa 7*12 cm angeordnet, die sonst übliche fliegende Verdrahtung wurde radikal ersetzt.

Jetzt kommt es: das alles wurde so sauber gemacht, daß es an ein Labormuster denken läßt - auch die Bauteile, die ich erspähen kann, sind aus der Herstellungszeit. Erspähen deswegen, weil zwischen der Platine und dem Chassisblech kaum Platz ist.

M.a.W.: um diese Bauteile zu tauschen und Betriebssicherheit herzustellen, muß diese Platine zwingend raus. Sie in an drei Stehbolzen unter das Chassis geschraubt, leider links aber auch durch den Netztrafo eingeklemmt. Alle Leitungen müssen daher zwingend abgelötet werden, sonst kann ich die Platine nicht herausbekommen.

Die im Uhrzeigersinn oben links beginnende Numerierung der Lötstellen habe ich bereits angelegt, aber das wird ein Hexenwerk ! Es sind mindestens 24 erkennbare Lötstellen, die mit Drähten nach außen verbunden sind, manche haben gleich mehrere Drähte.

Wenn ich das nicht hinbekommen sollte, brauche ich ein Schachtchassis, hat jemand eines - wahlweise auch vom AEG 4075 ?

Viele Grüße
Holger
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holger66
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von holger66 »

So, nun habe ich die Platine heraus - ein wahrer Staubteppich wollte entfernt werden. Zum Vorschein kam dies. Man sieht: alles originale Bauteile aus der Herstellungszeit. Der Wima Tropydur in der Mitte sieht aus wie ein durchgebrochenes Magengeschwür.

Ich halte das nun umso mehr für ein Labormuster, für einen Test der Anwendung einer Platinenbauweise, die bei Telefunken bekanntlich erst so 3 oder 4 Jahre später großflächig Einzug gehalten hat. Es hat bis heute funktioniert, soviel ist sicher.

Ich werde nun die offensichtlich schadhaften Bauteile wechseln und die Platine dann wieder einzubauen versuchen. Ich berichte weiter.....

H.
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von Binser »

Hallo Holger,

sieht wirklich wie eine Musterplatine oder Mustergerät aus. Ist denn irgendwo eine Kennzeichnung? Am Chassis müsste vor der Seriennummer (falls überhaupt vorhanden) links am Chassis ein Buchstabe mit eingeschlagen sein, L oder V. Das wäre eine Kennzeichnung eines Labormusters oder Versuchsgerätes. Auch wäre die Typenbezeichnung auf der Rückwand überklebt. Ist ein Hinweis im Gehäuse zu finden? Handschriftliche Namenskürzel mit Datum?

Vom Baujahr ging's schon hin... Die erste Geräteserie bei Telefunken komplett auf Platine gebaut war die Jubilate 8...

Grüße,
Jörg
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holger66
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von holger66 »

Hallo Jörg,

ja, so etwas gibt es wirklich. Hier ein Bild der Chassis-Rückseite mit der Seriennummer und einem zusätzlichen Klebezettelchen mit den Buchstaben NL und einem signalroten Farbklecks.

So ein Klecks findet sich auch auf der Lötseite der Platine wieder. Die eigentliche Gehäuserückwand ist hingegen nicht besonders gekennzeichnet. Dieses Radio wurde offenbar ganz normal verkauft.

Viele Grüße
Holger
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Binser
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von Binser »

Also, mit der Bezeichnung "NL" kann ich nicht direkt was anfangen... "n---irgendwas---Labormuster"?
Interessant sind aber die Farbklekse auf Chassis und Platine.

Hab's nochmal nachgelesen (Wiki sei dank), damit ich nichts falsches sage: "Farbige Kennzeichnung von Bauteilen: Speziell für das jeweilige Muster modifizierte Bauteile (z. B. handgewickelte ZF-Filter oder Test-Transformatoren) wurden [bei Telefunken] im Labor mit rotem oder gelbem Lack markiert. Dies signalisierte den Technikern, dass es sich nicht um Standard-Serienteile handelte."

In den Verkauf gelangte das Radio sicher nicht. Solche Teile wurden (nach Testende) meist von Technikern zu günstigen Preisen mit nach Hause genommen. Habe selbst Labormuster anderer Firmen hier...

Grüße,
Jörg
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von paulchen »

Wenn ich mir die Bilder im rm.org zu dem Gerät anschaue... da hat eigentlich fast jedes Chassis einen "NL" Aufkleber. Denke mal das ist eher was von der Endprüfung oä.

Es wäre eigentlich abzuklären, ob die Platinenbestückung der Serienschaltung entspricht.
Industriell gefertigt ist sie auf jeden Fall für die damalige Zeit. Handgelötet danach dann, aber das war normal.

paulchen
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von Elko »

Hallo Holger!
Interessantes Bauteil, diese Platine. Sie ist sogar auf Gummipuffern montiert.
Eine große Gefahr der Brückenbildung - wenn die Platine nicht mit Plastikmutterbefestigt ist - sehe ich an der markierten Stelle:

Bild

Interessant ist auch die Mumie von einem Kondensator. Was war seine Funktion?
noli turbare circulos meos

Mit Röhrengruß
Martin
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holger66
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von holger66 »

Ich habe nun gestern die insgesamt 9 Kondis und einen Elko gegen aktuelle Bauteile getauscht und werde versuchen, die Platine heute wieder einzusetzen und zu verlöten.

Der Wima Tropydur hatte den Wert 2.200pF und stand zwischen Anode der EL84 und der Zuführung des AÜ. Eine hohe Belastung mit Gleichspannung dürfte er nicht gehabt haben.

H.
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Re: Absonderliches Telefunken Concertino 6.5

Beitrag von holger66 »

Wie halb und halb von mir bereits erwartet, ist der Wiedereinbau der Platine gescheitert - die rundum angeordneten Lötaugen lösten sich nacheinander vom Pertinax.

Damit war das Chassis unrettbar und wurde eben geschlachtet. Schade, 5 Stunden Arbeit für die Katz - und das bei einem guten Gehäuse.

Immerhin saßen bei einem Ankaufpreis von 25 Euro 3 nagelneue Röhren darin: ECH81, EL84 und EM80, alle vom Label "industria". Damit ist der Schaden minimiert.

Ich stelle als nächstes eine Suchanzeige nach einem kompletten Chassis in das passende Board.

Danke fürs Mitlesen.

Holger
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